Uebersiedeln und Übersiedelung. 639
noch beträchtliche Summen unter dem Namen vonDarlehn, wofür niemals, weder Kapital, noch Zinsenbezahlt wurden. Sie wurden zu den Zeiten Phi-lipps des Zweiten eingeführt, und dauerten unterven andern Regierungen fort; besonders drückend warensie unter der Regierung Philipps des Fünftenund machten gleichsam den Französischen Namen inden Kolonien verhaßt, weil dieser König aus Frank-reich stammte. So wurde nun der Wohlstand derKolonien durch die Abgaben sehr herabgebracht, wozuauch derKlerus nicht wenig beitrug; denn dieser erhobmit vieler Strenge auch den Zehnten von Allem, wasman erndtete, wobei die Verwaltung der geistlichenAemter noch sehr hoch bezahlt wurde. Der einzigeBischof von Angeles hatte ein Einkommen von240,000 Piaster (332,500 Thlr.). Wer hättenicht glauben sollen, daß das Einkommen der Kronenach diesen angeführten Auflagen oder Abgaben sehrbedeutend hätte seyn müssen; so vernimmt man aber,daß der König jährlich aus Mexiko, der am bestenverwalteten Kolonie, nicht mehr als 300,000 Piaster(415,000 Thaler) zog, das Uebrige wurde auf denCivil- und Militair-Etat verwendet. Nach einermäßigen Berechnung haben die Kolonien Spaniensin Amerika seit dem Jahre 1492 bis zum Jahre 1740,also in einem Zeitraume von zweihundert und acht-und vierzig Jahren mehr als neuntausend MillionenPiaster (12,468,750,000 Rthlr.) dem Mutterlandegegeben; davon ist der geringste Theil seinen eigent-lichen Herren geblieben; das Uebrige hat sich in Eu-ropa verbreitet oder ist nach Ostindien gegangen.Trotz dieser Ausbeute aus den Bergwerken der Kolo-nien hat das Mutterland nie zu eigentlichen Kräftenkommen können, ja es schritt mehr zurück; denn eskümmerten sich die Bewohner desselben nicht mehrum ihre eigenen Schätze, der Ackerbau, Weinbau, die