Uebersiedeln und Ueberfiedelung. 693
bloß für den Augenblick beschränken, sondern aufJahrhunderte fortdauern; denn ist die Bevölkerungdes Landes gehörig gegen einander ins Gleichgewichtgesetzt, und werden die für beide Theile, sowohl fürdie Zurückbleibenden, als für die Weggezogenen,hieraus erwachsenden vortheilhaften Folgen erst ge-fühlt, so wird die arbeitende Klaffe nie wieder zulange ohne regelmäßige Beschäftigung bleiben, undsich nie wieder so heruntergebracht sehen, daß sie sichfür unfähig halten sollte, sich dieses ihren Zustandbessernden Mittels zu bedienen. Sollten sie sich aberdoch zufällig in solchem Elende befinden, so würdendie Wohlhabenderen, nachdem sie einader die Vor-theile dieses Systems haben kennen lernen, gewiß nichtungeneigt seyn, ihnen zur Ausführung ihres Vorha-bens ihren Beistand zu leisten. So weit Braunsüber die Uebersiedelungen der Europäer,, namentlichder Engländer und Deutschen nach Amerika.
Es ist nun hier bei den Uebersiedelungen noch inBetrachtung zu ziehen: 1) Ob Europa wirklichübervölkert ist, und welche Staaten darin an einerUebervölkerung leiden, so daß die Auswanderung derEinwohner gewünscht werden kann. — 2) Zu wel-cher Klasse die Auswanderer gehören, die ihren Staat,ihr Vaterland, verlassen oder zu verlassen beabsichti-gen. — 3) Welche Gründe sie dazu bewegen, einenandern Wohnort zu suchen, oder sich in andere, ihnenunbekannte, Welttheile zu übersiedeln.— Die Frage:ist Europa übervölkert? kann man gewiß mit Neinbeantworten, wenn man die einzelnen Staaten darinnur obenhin durchgeht, sowohl von Westen nach Osten,wie von Süden nach Norden. So leiden Spanienund Portugal an keiner Uebervölkerung; denn nacheiner 1833 vorgenommenen Zahlung hat die Bevöl-kerung SpanienS in Europa 12,280,000 Seelenbetragen; Moreau de Jonnes rechnet sie auf 15