Band 
Zweiter Theil. [Cebes - Dyer (John).]
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2L CHAPELLE

Er sagte diesem Dichter bisweilen ziemlich harte Wahrheiten^Boileau laS ibm einmahl nach dem Mittaqscssen eines seinerWerke vor, welches Chapelle streng critisierre. Schweig, sagteihm der Sa-yriker, du bist betrunken.— Ich bin von»Wein nicht so sehr berauscht, erwiederte ihm Chapelle,als du von deinen Versen.

Die Produkte des Cbapelle tragen den Stempel seines Cha-rakters, der ein Gemisch von Weichlichkeit, Spötterei und biS-weilen von Bosheit war. Seine Reise, die er mir Bachau-Mvnr verfaßte, ist das erste Muster dieser liebenswürdigenund leichten Dichtungsart. von Vergnügen und Indolenz ein-gegeben. §->, schöner Geist sagte, Chapelle wäre mehr natür-lich als poli, mehr frei in seinen Ideen, aiS correct in sei-nem Styl ; abrr das Talent über nichrs bedeutende Dinge mitGciir zu sprechen, >st weit mehr als Richtigkeit werth. Dereinzige Fehler, ocn man >hm mit Deöpreaux vorwerfen könnte,ist, das er oft ins Nieorige fällt.

Chapelle besaß in der gesellschaftlichen Unterhaltung alle dieReitze, die wir in seinen Werken bewundern: eine sanfte, aberso verführerische Warme, daß man sich kaum enthalten konnte,an dein, was er sagte, vielen Theil z» nehmen. Als er einesTages bei der Dewviselle Choccars, einem Frauenzimmervon Geist und Verdienst, war, fand sie die Kammerfrau beidein Tbränen. Sie errundigte sich nach der Ursache, und Cha-pelle antwortete ihr in einem naiftn und lebhaften Tone: Wirbeweinten den Tod deö Dichters Pindar, den dieAerzte umbrachten.

Die Freiheit war Chapelle'S Göttin. Er brachte niemandenOpfer, selbst den Fürsten nicht. Der große Conde bat ihn zumSouper; er folgte lieber den Kegelspielern, die bei ihm waren,und krank mit ihnen. So oft der Wein in seinem Kopfe wirkte,erklärte er seinen Tischgenosscn das System des Gasiendi, undwenn diese von der Tafel aufgestanden waren, setzte er seinenUnterricht bei dem Herrn des Hotels fort.

Racine, ein vertrauter Freund des Chapelle, fragte ihn ein-mahl, was er von seiner Berenice denke? — WaS ichdavor« denke? antwortete Chapelle:

Marion pleure, Marion crie,

Marion veut qu’ 011 la marie.

Dieser