54
CHOSROES II.
Dingen beobachten zuznachen, so muß ich ihnendoch wenigstens zeigeii^daß die Beobachtung der-selben möglich ist.«
Man sagt, er habe auf sein Diadem folgende Inschrift setzenlassen: „Das längste Leben und die glorreichste Re-gierung vergeben wie ein Traum, und -unsereNachfolger drangen uns abzutreten. Ich habedieses Diadem von meinem Vater, und es wirdbald einem andern zur Zierde dienen.«
Er vertraute die Erziehung seines Sobnes Hormisdas,dem Buznrges-Mibir, dem ersten Weisen Perstens, an.ÄlS sich dieser Philosoph eines Tages in Gegenwart des Cbos-roes in einer Conferenz von Griechischen und Indianischen scho-nen Geistern befand, fragte dieser Monarch, welches dieunangenehmste Lage wäre, in die ein Menschkommen könnte? Ei» Griechischer Philosoph antwortete:Das Alter, von Armuth begleitet. Ein IndianischerWeiser war der Meinung, daß es eine außerordentlicheNiedergeschlagenheit deSGeisteS, verbunden mitheftigen körperlichen Schmerzen, sei. BuzurgeS-Mihir entschied, „der unglücklichste aller Menschen„sei derjenige, der sich am Ziele seines Lebens«bafänve, ohne jemahls die Tugend ausgeübt z«»haben.«
Chosroes war eines Tages darüber verwundert, daß dieserPhilosoph bei einer seiner Derathschlagungen, wo jeder seinerRathe seine Meinung gesagt hatte, ein tiefe» Stillschweigenbeobachtete. D i e Räthe, antwortete er dem Könige, müs-sen es machen, wie dieAerztr, welche rhreMittelnur denen geben, i^ie ihrer bedürfen.
CHOSROES II. stieg 590 auf den Persischen Thron, an dieStelle seines Vaters Hormiödas III. dem seine Unterthanendie Augen auSgestochen und ins Gefängniß geworfen hatten.Der neue König ließ seinen Barer umbringen, und wurde wieer einige Zeit darauf vom Throne gestürzt. In seinem Unglückbetete er zum höchsten Wesen, ließ seinem Pferde die Zügelschießen,, und dasselbe über sein Schicksal entscheiden. Nachvielen Mühseligkeiten kam er in eine Stadt der Römer. DerKaiser MauritiuS nahm ihn gütig auf, gab ihm Hülfs-
rruppen.