Band 
Dritter Theil. [Eachard (Dr. John) - Ghisi (Giovanni Battista).]
Seite
65
JPEG-Download
 

ERASMUS

65

widmen zu dürfen, und erhielt darauf die verbindlichste Antwort.Er wurde von dem Nachfolger Lecks und andern Päpsten nichtweniger geschätzt. Clemens VII. und Heinrich VIII. schriebeneigenhändig an ihn, um ihn an sich zu ziehen. Der König vonFrankreich Franz I. Ferdinand, König von Ungarn, SigiSmund,König von Pohlen, und mehrere andere Fürsten, versuchten eSvergebens, ihn zu bekommen. Erasmus, der eben so sehr einFreund der Freiheit, als ein Feind von dem Zwange der Höfewar, nahm nur die Staatsraths r Stelle an, welche ihm Carlvon Oestreich, nachher Kaiser Carl V. gab. Diese Stelle gabihm vieles Ansehen, ohne ihm vielen Zwang aufzulegen.

Der große Reformator Luther suchte ihn auf seine Seitezu ziehen: aber vergebens.

Als die Reformatoren zu Basel, wo er sich aufhielt, täglichzahlreicher wurden, ging er nach Freiburg, und »ach 7 Jahrenwieder zurück nach Basel.

Im Jabr 1535 schrieb Paul III. an ihn, um ihn zu ermähnen,die Religion zu vertheidigen, welche von zahlreichen und fürchter-lichen Feinden angefallen wurde. »Vollendet, sagte der»Papst zu ihm, durch diese letzte fromme Handlung»das religiöse Leben, welches Ihr geführet, und»die vielen Werke, welche Ihr geschrieben habt.»Dieß wird das Mittel sein, Euern Gegnern den«Mund zu schließen, und ihn Euern Anhängern»zu öffnen.«

Paul III. bestimmte ihm den Römischen Purpur, und gabihm, um ihn in den Stand zu setzen, diese Würde zu behaupten,die Propstei zn Deventer. Das Breve hierüber, welches vomersten August ist, enthalt die besten Zeugnisse von der Frömmig-keit, Unschuld und dem Glauben des Erasmus. Ader dieserSchriftsteller, der zu alt, zu schwach, und von Natur zu wenigehrgeitzig war, schlug dieses Benefiz aus. Dieselbe Gleichgül-tigkeit bewies er gegen die Cardinalswürde, obgleich übrigensvon dem Wohlwollen des Papstes und von seiner allzu gutenMeinung von ihm sedr gerührt.

Dieser berühmte Mann starb den 12. Juli 1536 in seinem 70.Jahre zu Basel an der Ruhr. Er war sein ganzes Leben hin,durch von zarter Leibesbeschaffenheit gewesen, und wurde gegendas Ende seines Lebens von dem Podagra und dem Stein ge-plagt.

Dritter Theil» E Sein