Band 
Dritter Theil. [Eachard (Dr. John) - Ghisi (Giovanni Battista).]
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FAUSTINA

FAUSTINA (Annia), die jüngere genannt, Toch-ter A» ton ins des Frommen nnd der Vorhergehenden,vermahlte sich mit dem Kaiser Marcus Aurelius. DieNatur hatte ihr Schönheit, Geist und Grazie gegeben, und Fau«stina mißbrauchte ihre Gaben. Von Vergnügen ging sie zur Derbauche über, und von der Debauche zu den äußersten Ausschwei-fungen der Wollust. Sie genoß wechselsweis mit dem Römi-schen Senator und Ritter und mit dem Freigelaffenen und Klopp-fechrer. Um ihre Greuel zu vollenden, überließ sie sich ihremSchwiegersohn, und hörte ohne zu erröthen die Vorwürfe, dieihr ihre Tochter darüber machte.' Sie hatte keine Spur vonSchaam mehr. Diese Tochter und Gattin eines Philosophenließ öfters Kloppfechtcr und Matrosen in einem Zustande vor sicherscheinen, welchen uns der Wohlstand zu verhüllen befiehlt,um diejenigen aus ihnen zu wählen, die ihr am geschicktesten zusein schienen, ihrer viehischen Wollust Genüge zu thun. Mansagt, ihr Gemahl, der ihre Ausschweifungen kannte, habe ge-than, als wiss' er nichts davon, und, als man ihm rieth, sie zuverstoßen, geantwortet: » Ich müßt' ihr also ihr Eingebrachtes(das heißt, das Reich) »wieder geben.« Diese des MarcusAurelius unwürdige Antwort, ist um desto weniger glaubwürdig,da sie voraus setzt, daß die kaiserliche Würde erblich war. Mausetzet hinzu, daß dieser philosophische Fürst diejenigen, die seinBette befleckten, zu den ersten Würden des Reiches erhob, unddas Volk nicht unterließ, darüber zu lachen. Dem sei jedochwie ihm wolle, so wurde Faustina, ungeachtet ihrer ungeheuernAusschweifungen, doch als eine Gottheit in Tempeln verehrt.Man setzte ihr zu Ehren die Faustinianischen Feste cin, und er-■ kaufte Priester streuten auf die Altare dieser Prostituierten ebenso vielen Weihrauch, als auf die Altare der Göttin der Jung-frauen, Diana.

Sie starb im Jahr »75 am Fuße des Berges Taurus , undwurde bei Gelegenheit des Regens., der zur Rettung der Römi-schen Armee nieder fiel, Elster eslkrorum genannt. (Man seheden Artikel Marcus Aurelius ANTONINUS.) JacquesMarchand bemühte sich, die Faustina in einer Abhandlung zurechtfertigen (si Mercure de France» 174;), die jedoch dasZeugniß verschiedener Geschichtschreiber nicht entkrastigen kann.

FAUSTINA, welche der Kaiser Heliogabalus als seinedritte Gemahlin nahm, war die Tochter des Claudius Severus,eines vornehmen Senators, und der Vibia Aurelia , der dritten

Tochter