des M i t t e l a l t ers überhaupt rc. z i
Nichts both dem herrlich aufblühenden Baustyleeinen so unendlichen Spielraum dar, als die T h ü r-me der Kirchen. Sie schienen wie zur Verherrli-chung der Kunst erfunden. Die frühere achteckige oderviereckige, massive Form wich nun natürlich der Pyra-mide oder dem Obelisk, der an sich schon in die Ho-he strebend, Auge und Herz mit sich hinaufzieht. Da-zu trat aber noch der allersinnreichstc und kunstvollsteSchmuck der äusiern Wände, deren der untere Theilmeist vier, der obere aber acht erhielt. Unser S t e-phansthurm, ein Muster in dieser Hinsicht, wirdin der Beschreibung selbst, ausführlich geschildert, undvon den vorzüglichsten andern Thürmen soll derVer-gleichung wegen auch in der Folge noch einiges gesagtwerden: so daß wir uns hier mit der allgemeinen An-deutung begnügen können. — Mit dem Schmucke derThürme übereinstimmend mußte auch die ganze äußere,Bekleidung der Kirchenwände seyn, die gleichsam denStamm und die Blätter der himmelhohen Blume desThurms bildeten.
Allein selbst auf dem höchsten Gipfel ihrer Aus-bildung mochte die gothische Baukunst nicht der Hülfeder andern Künste zu gemeinschaftlichem Zwecke ent-behren: sie erhöhte ihre Schönheit durch die Seulp-tur und Mahlerey. Schon zu dem kunstreichenZierwerke ihrer Knospen, Blätter und Thürmchen be-durfte sie des bildenden Meißels des Steinmetz, in
stes jener alten Kunst, in sich vereinigt. Möge durch die Fort-setzung bald die gespannte Erwartung der Kunstfreunde tu,sriedigt werden.