L a ngse ite n iind des Chores. 65
An der nördlichen Wand des Chores sieht mannoch die gothische Kanzel, auf welcher der heilige HeldKapist ran mehrere seiner gottbegeisterten Redenhielt, *) ein nicht durch Kunstwerth, aber durch diegroße Erinnerung ehrwürdiges Denkmahl. .— Nichtweit davon ist ein mehr als lebensgroßes Kruzisixbildvon Holz, in der offenen Kapelle über dem Eingängein die neue Gruft. Dieses sehr gute Schnitzwcrk istauch eines jener unbewunderren und unberühmten An-dachcsbilder, vor welchem von Vorübergehenden vie-le herzliche Gebethe täglich ausgegoffen iverden. Diestrenge Nachahmung der Natur, eines freylich nichtathletischen, sondern durch Leiden undMartern gequältenKörpers gibt dem Bilde etwas dürres und hartes, aberder unbeschreibliche Adel im Gesichte des schon Ver-schiedenen, die geschlossenen, tiesiiegenden Augen,der halbgeöffnete Mund, der mit himmlischer Sanft-muth noch kurz zuvor die Worte „Vater vergib ih-nen , denn sie wissen nicht, was sie thun" ausgespro-chen — sind der Darstellung des Gottmenschen würdig.
Das folgende größere Steinbild ist ein Votiv-stein aus dem 16 '. Jahrhundert, wie es scheint, unddie Figuren der Geber sind unten kniend angebracht.Die, der Kunst nach, nicht ausgezeichnete Darstellungdes jüngsten Gerichts erwähne ich hier deßhalb, weilsie, in dieser Form, eine der ältesten Kunsttraditio-nen ist, die auf zahlreichen Werken der Mahlerey
’) Vergleiche des dritten Bandes dieser Geschichte, drittes HeftS. 136 f.f.
kl. Jahrg. Denkwürdigkeiten. l.Vd.i.Heft. 5