Der große Thurm. 71
Kirchenwanden wiederhohlt , um beyde recht innigmit einander zu verbinden. Noch höher folgt das gro-ße, wohl mehr als fünfzig Fuß hohe, Glockenfenster,und darüber die schönen Durchbrechungen, die in demMaße leichter und zarter werden, als die Höhe desThurmes steigt. Dieselbe Sorgfalt bemerkt man auchan dem Umriße, an welchem man etwa zwölf Ver-jüngungen bis an den Gang wahrnimmt, die durchlauter Thürmchen und Pfeiler, in Größe, Zahl undZeichnung mannigfaltig, gebildet werden. — Da woder Stamm des Thurmes sich von der Spitze abtheilt,ist der Gang mit seinen zwölf hohen, freystehenden,gothischen Pyramiden oder Thürmen, deren jeder mehre-re Klafter hoch oben mit einem vergoldeten Knopfeverziert ist. Hier, in dem nordöstlichen Eckpfeiler zeigtman noch die steinerne Bank, von welcher aus GrafStarhemberg, Wiens heldenmüthiger Vertheidi-ger gegen die Türken im Jahre i683, das feindlicheLager zu übersehen pflegte. Hier erhebt sich die schö-ne Spitze, das Werk Pilgrams, in welcher sich durch-brochene Rosen und Giebelfelder in schönem Wechselaufnehmen und einschließen. Sie verjüngt sich dreyMahl fast unvermerkt, und hat an ihren Kanten diegewöhnlichen Pflanzmknorren, die aber hier als unge-heure Pflanzenkolosse, deren Breite an 3 Fuß be-tragt , in schwindelnder Höhe über uns hangen. Durchgewaltige eiserne Platten und Klammern ist fürge-sorgt, daß keine dieser Blüthen sich ablöse. Als etwasSeltsames muß noch bemerkt werden, daß dicht unterder Spitze an vier Ecken Hirschgeweihe und unweit