Band 
Erster Band. A bis Comparativ.
Seite
79
JPEG-Download
 

Ana 79

Anagramm, (<r. d. Griech. der Buchstaben- oder Letttrwech-sels beißt die Versetzung eines oder mehrerer Buchstaben in einemWorte, so daß dadurch ein anderer Sinn herauskommt, z. B. stattLied — Leid; statt Leben — Nebel; statt Dame — Made u. s. f.So nahm Calvinus auf dem Titel seiner Institutionen — solcheSpielereien wurden ehedem sehr hoch geschätzt — den Namen Bl-eu inus an.

Anakreon, ein Griechischer Dichter aus Tcos in Jonien, lebteungefähr zzo Jahr v. Chr. Geb. Polykrates, Herrscher vonSamos. soll ihn an seinen Hof gezogen und ihm seine Lüde undFreundschaft geschenkt baden. Hier überließ er sich ganz der Lust undFreude; und mit Rosen bekränzt schwelgte er im üppigen Wohlleben.Man behaupter, Polvkrates habe ibm einst eine Summe Geld ge-schenkt, allein die Bewachung dieses Gutes habe ihm Tag und Nachteine solche Unruhe verursacht, daß er sein Geld wieder zurückgebrachtund ibn gebeten habe, er mochte ibm nur stine Heiterkeit und Liederwiedergeben. Diese Anekdote hat die Lafontainiscve FabeltI.S 8 »v«risr vt I« rinsilvior und dieHagedvrnschc: Jo-hann der Seifensieder veranlaßt. Nach dem Tode des Po-lvkrates ging Anakreon nach Athen, kehrte aber rald wiedernach Leos zurück, woraus ihn Unruhen na« Adder« führten, woer 85 Jabr alt, wie man sagt, an dem Kerne einer Weintraube er-stickte. Nur ein kleiner Theil seiner Gedichte ist auf unsere Zeit ge-kommen , deren Inhalt Liebe und Wein ist. Alle zeichnet eine un-übertreffliche Leichtigkeit und Einfalt aus, und alle atbmen Frohsinnvereint mir Laune und Witz. Sein Andenken wurde von den Grie-chen sehr geehrt, und neben der Bildsäule des Perikles stand dieseinige. Anakrrvntisch nennt man immer dasjenige, worin derGeist und der Geschmack Anakreons herrscht.

Analekten, die. (a. d. Gr.) etwas zusammen getragenes, Zu-sammentrag mehrerer Abhandlungen und Aufsätze.

Analogie, die, (a. d. Gr.) die ähnliche Beschaffenheit einerSache. Nach der Analogie schließen heißt nach der Verglei-ch»»» ähnlicher Dinge schließen, so, daß man einer Sache etwas zu-schreibt oder abspricht, weil man dasselbe an ähnlichen Sachen be-merkt oder nicht bemerkt. Wir bedienen uns der Analogie am häu-figsten bei unsern Urtheilen; fast in der ganzen Natur schließen wiraus der Aehnlichkeit der Wirkungen auf ähnliche Ursachen. Analv -gisch, nach der Analogie, nach der Vergleich»»- ähnlicher Diuge,z. B. analogisch schließen. Analog, ähnlich.

Analysis, die, (a. d. Griech.) i) wörtlich, die Auflösung,Zergliederung. 2) (Pbilos.) In der Philosophie nennt man Analysisdie Zergliederung der Begriffe, vermöge welcher man von den zusam-mengesetzten Begriffen bis auf die einfachen zurückgeht. Analy-tisch, wenn man, ohne Rücksicht aus bereits festgesetzte Grundsätzeüber einen Gegenstand, denselben genau zergliedert, und in seinekleinsten Theile auflöst. Die analytische Methode in der Phi-losophie ist diejenige, vermöge welcher man. statt gleich anfangsGrundsätze als ausgemacht aufzustellen, und sie hernach zu beweisen,die Grundsätze lieber nach und nach, vermittelst der Betrachtung undZergliederung der Begriffe, entwickelt, und sie, so zu reden, den Zu-hörer oder Leser selbst finden läßt. Die erstere Methode wird, imGegensatz der analytischen, die synthetische genannt. In betKiinklschen Philosophie werden die Worte analptischund synthe-