478 Car
Jsabellens von Castllien Tochter. Er wurde sorgfältig erzogen, undmachrc vorzüglich i.i den lebenden Sprachen und in den LeibesübungenFortschritte: der nachheriae Papst Alexander Vt. war sein Lehrer.Sein Geist berechtigte ihn zn der großen Roüe. die er in der Geschichteseiner Zeit spielte: und wenn die List und Verstellungskunst, deren ersich in seiner Politik bediente, uns verhindert, vorrheilhaft von seinemHerze» zudenket,, so muß man doch dabei nicht ganz vergessen, wieviel Einfluß auf seine Handlungen die damals herrschende« Begriffevon «staatsklugheir, wie auch mehrere seiner Rärhe haben mochte».Müller zeichnet seinen Charakter meisterhaft durch folgende Züge:„der Kaiser, wachsam auf alles, war körperlich und moralisch thätiger,„als von seiner schwachen Leibeskonstitution zu erwarten war; desto„vorsichtiger, so lange die Geichäfte zw.iseihafc waren (o« er mehr von„einem Staatsmann, als von einem Helden hatte, und andern um so„weniger traute, weil er in den Künsten der Verstellung sehr geübt„war); vortrefflich im Combiniren, so lange er kalt blieb: in seiner„Lebensart einsach und nicht ohne Popularität in den Manieren."Nach dem Tode seines Vaters (150b) ward er Erzherzog, im Jahr1516 erklärter König von Spanien, drei Jahre darauf Römischer Kai-ser. Franz I., König von Frankreich, machte ihm die Kaiierwürdestreitig, allein Carl erhielt den Vorzug vor ihm. D-e>e Rivalitätentzundere izn Jahr -521 zwischen Frankreich und dem Römischen Rei-che einen Krieg, dessen Schauplatz vorzüglich Italien war. Carl watsehr glücklich, er verbündete fich mit Heinrich Vlll., König vonEngland, dem Papst Hadrian Vl. mit Florenz und Venedig wußteFranzens Generale auf seine Seite zu ziehen, und es ge.ang ihm sogarin der berühmten Schlachr von Pavia, im Jahr 1525, Franz l. ge-fangen zu bekommen. Er verbarg seine Freude hierüber mit der größ-ten Verstellung, so daß er sogar die Zeichen der öffentlichen Freudeverbot; er beruhigte Franzen durch das Versprechen einer baldige»Freiheit, während er die Ausführung seines Versprechens zu verzöget»suchte. Ueberhaupt zeigte sich der feurige Franz stets großmüthigerals der kältere feinere Carl; Franz mußte endlich seine Freiheit miteinem schimpflichen Frieden erkaufen, von welchem voraus zu sehe»war, daß er ihn nicht halten werde. Carls Bundesgenossen hatte»indeß ihr System geändert; dieser war icdoch darum nicht minderthätigz er nahm den Papst Clemens VIl. in der Engelsburg gefangen,und verordnete Prozessionen und Gebete um seine Befreiung, währender ihn mit ein Paar Zeilen hätte in Freiheit setzen können. Der Trak-tat vvn Cambrai (s. diesen Art.) machte endlich (1529) diesem Kriegevor der Hand ein Ende: vor der Hand, sage ich ; denn Carl führte»och zweimal Krieg mit Frankreich, ohne jedoch seine Entwürfe nnkGlück gekrönt zu sehen- Im Jahr 1532 rückte er den Türken entgegen,die ihn bedrohten, sich aber bald zurückzogen- Im Jahr rzz; gi»sCarl persönlich na» Afrika, dun Muley-Affem zu Hülfe, eroberte ru-ms, und schlug den berühmten Barbarossa. Im Jahr ,ZZ9 trieb erdie rebellischen Genter zu Paaren, bei welcher Gelegenheit ,hm Franzdie Erlaubniß durch Frankreich zu gehen ertheilte, und seiner-Gastnicht nur aus das prächtigste empfing, sondern ihn auch^ trog demRathe seiner Hofleute, die vollkommenste Sicherheit gewahrte; eineGrvßmuth, welcher Carls nachheriges Betragen gegen Franz nicht ent-sprach. Im Jahr 154« dachte er Algier zn erobern, bei welcher Crpe-ditivn er jedoch, wie man voraus gesehen, kein Gluck hatte. KurDeutschland machte Carls V. Regierung Epoche, sowohl in Rücklicht