Band 
Erster Band. A bis Comparativ.
Seite
479
JPEG-Download
 

Car 479

»uf die politische als religiöse Verfassung dieses Staats. Nie hatteDeutschland einen so mächtigen Kaiser wieder; welch ein 'Aufruf, gegendie Anmaßungen desselben auf seiner Hur zu seyn, welche es ihm nurwenig zu verbergen gelang. Unter Carl V. brach die Reformationin ihrer ganzen Starte hervor. Carl scheint im Anfang.' die Refor-mation rherls für weniger interessant an sich selbst, theils für leicht zudampfen, wen» es ihm Ernst sey, angesehen zu haben. So viel istgewiß, er vermied lange sorgfältig, sich für irgend eine Partei ernst-lich und nachdrücklich zu erklären, wozu ihn vorzüglich gewisse Verhält-nisse mit prokestantiicheu Fürsten, die ihm nothwendige Unterstützungderielben bei dem Neichökriege, endlich die Kriege, in die er bereitsverwickelt war, bestimmten. Allein nach dem Frieden zu Crespy, dener iZ44 mit Frankreich schloß, d-m fünfjährigen Stillstand mir denTürken im Jahr 1546 und einem DünLniß mit dem Papst gina erernstlich wider die Protestanten los, ohne Zweifel weniger wegen ihrerMeinungen, als aus Unwillen, daß sie ihm in ihren Religiovsstreir g-ketten nicht hatten nachgeben wollen, und um seine Macht in Deutich-land zu erweitern. Die Protestanten, welche überall von des KaisersAnrüstungen horten, suchten ihm zuvorzukommen, und erklärten ihm1546 den Krieg, welcher in der Geschichte den Namen des Schmal»kaldischen führt (s. Schmalkalvischer Vund). JohannFriedrich, Kurfürst von Sachsen, und Philipp von Hessen führ-ten das Commando: auch fochten sie anfangs mir Glück; allein ihreersten Schritte waren doch nicht lcbbäft genug, und Herzog Moritzvon Sachsen gewann Zelt, in die Kuriaude einzufallen. Der Rückzugdes Kurfürsten, um leine Lande zu decken, veranlaßte eine Zerstreuungder Armee, und störte die Eintracht des Lchmalkaldsschen Bundes.Der Kaiser rückte nach Sachsen, und gewann die Schlacht bei Mühl-berg (den 24. April i;47), wo er den Kurfürsten gefangen nahm,und zu Folge deren er auch den Landgrafen von Hessen nöthigte sichihm zur Haft zu stellen. Durch diesen Sieg glaubte er sich in denBesitz einer unumschränkten Macht gesezt zu haben. Eigenmächtig ließ« dem Kurfürsten das Todesnrtheil sprechen (welches jedoch nichtvollzogen wurde); eigenmächtig ertheilte er dem Herzog Moritz dieseinem Vetter abgenommene Kurwürde; eigenmächtig publicirte er(1548) das so genannte In lernn, bis der neue Kurfürst Moritz imJabr izzs unvermurhet mit ibm brach, und in seiner Unternehmungso glücklich war. daß er den Kaiser beinah zu Jnspruk gefangen bekom-men hätte. Moritz zwang den Kaiser, den Passauer Vertrag zn un-terschreiben, vermöge dessen das Interim aufgehoben, und den Prote-stanten Gewissensfreiheit und eine friedliche Beilegung ihrer Streitig-keiten mit den Römischkarholischen versprochen wurde, welche leztereauch durch den 1555 zu Augsburg geschlossenen Religionsfricden er-folgte. Carl legte im Jahr >556 aus freiem Antrieb die Regierungnieder (s. Spanien), ging in das Kloster nach St. Just in estrema-»ura, wo er 1558 starb, nachdem er noch Tags zuvor sein eigenesh«chenbegängniß gefeiert harre: er legte sich in einen Sarg, ließösterlich für sich singen, unv verließ den Sarg nicht eher, als da ersich ins Betre legen wollte.

Carl der Sechste, deutscher Kaiser, ein Sohn Leopolds r.Moren den 1. Okt- 168Z, wurde nach dem Tode seines altern Brn»oers Joseph I. der den 17. April 17,1 starb, zum Kaiser gewählt." sezce den Krieg, wegen der spanischen Erbfolge, der schon ^7«,«»«gebrochen war, noch eine Weile fort, sah sich aber bald genöthigt,