Band 
Erster Band. A bis Comparativ.
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Da sich aber nicht blos durch Bewegung, sondern auch durch Hoheund Liefe, Stärke und Schwäche die Töne, je nachdem diese odereine andere Empfindung die Ursache vo» ihnen ifi, unterscheiden, sowird die Wahl der Tonart ein -weites Mittel zu charalterifiren fürdie Musik. Hier tritt die Charakteristik der Tone ein, und mansieht, wie wichtig die Bestimmung ist, aus welchem Tou ejn Tonstüikgebe. Diesen Charakter der Töne genau zu studtren, und nur diesympathelsichen in seine» Kreis aufzunehmen, ist also Haupterfode-rung an den Tvnkünstler. Hat er einmal den der herrschenden Em-pfindung anpassende» Ton gewählt, so darf er nickt in Tone auSglei-ten, welche dieser Empfindung widersprechen. Und so zeigt sich dennauch die Musik sey nur rein wirksam, wenn sie auf ihre Weise echtrharakterisire. Daß si« die

Deklamatiou in demselben Fasse befinde, springt in die Au-gen, denn Deklamation, wen» sie ist, was sie seyn soll, ist ja nichtsanders als eine gesprochene Mnsik, weßhalb auch der verewigteSchocker sie eine uotirre Beredsamkeit »annre. Und wasfedern wir von einer echten Deklamation? Nicht blos, daß sie richtig«ussprecke, Längen und Kürzen im Allgemeinen beobachte u. s. w.(einige Deklamatoren drücke» sich in Beziehung auf sich freilich ganzrichtig aus, wenn sie sagen, sie würde» etwas sprechen), sonderndaß sie Stillstand, Fortschritt und überhaupt die Bewegung, Ton,Modulation, Nachdruck und Affekt dem ledesmaligen Zuhalte derDarstellung aufs genaueste anpasse. Denken wir hiehci wieder anden Schauspieler, so erscheint nns die Schwierigkeit seiner Kunst inihrem ganzen Umfange, denn wie er in Hinsicht auf mimischen Aus-druck mir dem bildenden Künstler verwandt ist, so ist er es in Hin,sickt auf Deklamation mit dem Tvnkünstler; die Wabrherr seinesMienen« und Geberdenspiels soll er auch durch die Wahrdeit seinesSprackausdrucks beglaubigen, und so der Poesie von allen SeitenLeben und Seele geben.

DieBaukunst darf es eben so wenig, als eine andere schöneKunst, vernachlässigen, jedem Gebäude den ihm eigenthümlichen Cba-ralter zu geben, welcher durch die Wirksamkeit gewisser Formen aufunser Gefühl bestimmt wird, weshalb es, beiläufig gesagt, garnichtso unsinnig war, als es einigen geschienen hat, die Baukunst einerersteinerte Musik zu nenneu. Die Werke der schone» Bautunstmüssen sich charakkerisiren als erhabene, prächtige, schauerliche, schöne,romantische. Erhaben bis zum Feierlichen find Tempel; prächtig,Eindruck von Größe und Würde erregend, Paläste; schauerlich Ge-fängnisse, Zeughäuser u. a.; lckön, wenigstens so weit es durch Sym-metrie und Eurylbmie erreichbar ist, Privatnohnuugcn, die länd-liche Baukunst u. s. w. Das Romantische ist vornämlich der gothi-schen Baukunst eigen; von deren mannigfaltiger Anwendung z»unserer Zeit wohl kaum eine Erinnerung nöthig ist. Die Untcr-mchnngen über den Charakter der Gebäude, über die Verbindung derBaukunst mit den schöuen Künsten, und die Wirkungen, welche durchdiesen hervorgebracht werden sollen, (Leipzig l?88 vom Herrn vonErdmannedorf) mache» es nnnöthig, uns hierüber weiter zu ver-breiten. Daß die

Gartenkunst ebenfalls der Charakteristik bei ihren Darstelln«»ße» wesentlich bedürfe, werde» wir theils i» dem Artikel von derGartenkunst selbst, theils in dem Art- Landschaft hinlänglich dar-Mhun Gelegenheit haben, uuS also hier s«r nicht dabei verweilen.