Band 
Zweiter Band. Von Compass bis Fleury.
Seite
202
JPEG-Download
 

rv4 Deu

als päpstliches Sehender Papst oberster Richter des Kaisers undSUkarius des Reichs seyn. Gregors endliche Absetzung war nurStrafe für seine Person; die von ihm ausgesprowcnen Grundsätzehatten schon zu tiefe Wurzel» geschlagen, und als eine Folge davonmuß man es rechnen. wenn Deutschlands Edle in noch nicht genugbefriedigter Aampflcgierde gern den Weg betraten, den ibncn dieKirche zeigte — der nach Palästina zum heil. Grabe führte (man ver-gleiche d.n Art. Kreuzzügc). Doch gehörten die Kreuzzügezum Wesentlichsten im Gange der Kulturgeschichte Deutschland», wieüberhaupt Europcns. Der Deutsche lernte die wirkliche Welt außerseinen Gränzen kennen. und Viele« ward dadurch f>n die folgendeZeit. bis auf den heutigen Tag vorbereitet. So entstanden bei die-ser Veranlassung zu Bündnissen auf Blut und Tod die ersten Ritter-orden, die Johanuiter, dip Tempelherren und die Deutschen Rit-ter , deren Daseyn nicht ohn, wichtigen Einfluß noch in der neueste»Geschichte stets gemessn ist. Der Antheil, den fromme Schwärmereian jcven Zügen hatte, ward der Stoff, au« dem das liebenswürdigeTalent zur Dichtkunst sich entwickelte, und es würden die.MinnesängekdeS Mittelalters uns weniger ergötzen, wenn nicht der zärtlicheKampf der Herzen beim Scheiden der Fahrt iu das Morgenland, demwilden Streite mir den Sarazenen um des heiligen Grades Besitzvorangegangen wäre. Eine ueue schwingende Bewegung ergriff alleVerhältnisse» uud an der Spitze aller äußern Vehikel zum Keime»und Gedeihkn der innern Kultur stand der Handel, der jetzt be-gann, die Produkte und Fuvrikare Asiatischer Vegetation und Indu-strie auch nach Deutschland zu bringen. Doch die mangelhafte Ver-fassung des Reichs stand dem Allen nur gar zu sehr im Wege, undda die Kaiser immer zu sehr entweder mit mächtigen Vasallen, oderäußern Feinde» beschäftigt wäre», als daß sie mehr für die inner»Angelegenheiten hätten thun können, so entstanden Privatvereine zukSelbnhalfe und Sicherstellnng wider Fribeutcr zuLande und zurSee.Sscntstand unter Kaiser Friedrichs l. (Rothbart)Regierung die Han-sa- iu deren Constikntivn man die ersten Gru- dlinien der künftige»Lpandlungspolilik erkennt (s. den Art. Hansa), obgleich Friedrich we-nigstens etwas durch Errichtung des Landfriedens, der alle Befeddun-gen auf dreitägige Vvrherkündigunq beschränkte, hatte thun wollen,den der vierte seiner Nachfolger, Friedrich ll. (der zuerst sich auchKvnig von Jerusalem nannte), noch mehr befestigte, indem er zugleichdie Landeshoheit der Stände in ihren Besitzungen sanktiouirte, aberauch zur Schlichtung ihrer Streitigkeiten, wahrend er abwesend sey»würde, einen Hofrichter ernannte. Die nach und nach sich ausgebil-deten teichsständischen Ratbsversammlungcn in Reichsangelegenhc^ten, wurden von den Ständen nachgeahmt, indem sie die Svndssl»er Städte, die Vorsteher der Klöster und die innerhalb ihrer! B'-e tzung- n befindlichen Gutsbesitzer ebenfalls zuweilen zur gemeinsaine.aBerathung wichtiger Landesangelegenheiten beriefen, woraus dr:Lano- und Ausschußtage sich allmäklig gebildet haben. FriedrichsCharaktergrötze wirkte äußerst wohlthätig auf stanz Deutschland, nurwar er zu sehr beständig in Italien beschäftigt, wo der Papst ib »eine starke Opposition enraegen warf, und vorzüglich wurde alle-Gute, von seuiec Seite für das Ganze, durch die zahllosen un>mächtigen Feinde gestört, welche seine Familie, die Hohen staU-fe», hatten. Hierin lag der Grund zn dem großen Zwischen-reiche, welches nach Friedrichs H. Tode (irzo) Statt hatte. Set'