XVIII Als
Uchen Lorbeer keines Herzens und mit hoher Kraft, und diese edelnEigenschaften entwaffnen den bittern Tube!, der dem Mißlin-gen in der Kunst wohl sonst zu folgen pflegt. Er war würdig r»erreichen, was er nicht erreichte, und mit den gewählten Mittel»nicht erreichen konnte. Entrüstet über die Entartung seiner Zeit-genossen, tiefen Abschen gegen den Despotismus in einem stolze»,freien, leidenschaftlichen Herzen, war Älfieri's Begeisterung vielmehr politisch als poetisch. Mitten in einer erniedrigten Um-gebung, wollte er Kraft, Muth und Freiheitssinn in die e>^fchlafften Gemüther hauchen, aber es schien ihm unwürdig, fi«dazu der schmeichelnden Künste der Rede zn bedienen; er entsagtegeflissentlich allem dichterischen Schmuck, und wollte durch Höbe»der Gedanken, durch kraftvolle Kürze und männlichen Ernst gefal-len; aber er vergaß, daß er damit zugleich den wesentlicven Eigen-schaften des Dichters entsagte. Seine Tragödien sind schroff »adstarr; die Anlage bis zur Dürftigkeit einfach, der Vers harr u»dungefällig; die Diktion entbehrt durchaus jenes zauberischen Farbe»-glanzes, wodurch allein der Dichter das innerste Gemüth aufregt-War Älfieri's Geist in seiner Jugenblüthe zu spröde für die Tragö-die, so muhte er nothwendig Echiffbruch leiden, als er sich i»nem Alter, wo längst die süße Täuschung des Leieus vor sei'/tSeele geschwunden war, und die nackte Wirklichkeit i» ihrer trauri-gen Armseligkeit vor seinen Augen lag, in der Comödie versucht/,die ohne leichten Witz und heitere» Scherz leblos erscheint. A»ch ",der Comödie hat er eine durchaus ernste, meistens politische Le»'denz; die Erfindung ist leer, die Verwickelung ohne alles Jntereift-die Charaktere find, wie in der Tragödie, nur allgemeine Umriß--ohne Individualität; so stehen die Eombdien noch weit unter de»Tragödien, und sind seines hohen Geistes nicht würdig. Vages/"halten wir für das gelungenste unter allen dramatische» Werft»Älfieri's den Abel, welchen er, um ihm einen seiner Scltsamft»angemessenen seltsame« Namen zu geben, clnc Tramelog cd',nannte. Alfieri, der zuerst diese Zivittcrgattung zwischen der Tragvdie und Oper erfand, hatte sich vorgenommen, sechs Stücke in de>selben zn liefern, und wir glauben es ernstlich bedauern zu mülft»'daß er nicht durch mehrere Tramclogcdien die Eigenthümlichkeitser Gattung genauer bestimmt hat. Im Abel erscheint sie als/'Gemisch von Tragödie und Oper, in welchem fich der erhabenste lvn'ss,Schwung mit der größten Simplicität vereinigt findet. Alfi/'am frciesten in den Ertremen sich bewegender Geist befand sich b»recht eigentlich in seiner Sphäre, und wenn die Gattung überb"»-.vor der Kritik bestehen kann, so mache» Erfindung und Aussäht»»"den Abel nnläugbar zn einem schönen Dichterwerke; es ist derste Gipfel, zu dem «ick Alfieri'S Genius erhoben bat. Außer die»'dramatischen Originalwerken bcsike» wir vo» Alfieri ei» episweS er-dicht in 4 Gesängen, mehrere lprische Gedichte, sechszeb» Sarpreein Gedicht, Misogallv, und poetische Uebcrseyungen voni a-.eren»Wirgil, und einigen Stücken des Acschylus, Sophokles, Ennp'»und Aristopbanes. Von seinen prosaischen Werken ist das wicht'»'und interessanteste seine Selbstbiographie (Deutsch i8>2 im Vena»deö Kunst- und Industrie-Comptoirs von Amsterdam ln/eipz.ch' i2 Theile, z Thaler), die uns die ganze Eigenthümlichkeit dlkses i- - >tcneu Manfie« vor Augen legt.