Band 
Zweiter Band. Von Compass bis Fleury.
Seite
CVII
JPEG-Download
 

cv»t

Con

rige, dürste sogar gewichtig nicht seyn. Muß den» die Ehrlichkeiteben Plump unv grob seyn? Uud gewiß, Lessiug halte Recht, daer sagte: „ man rst doch auch verzweifelt wenig, wenn man nichtsist als ein ehrlicher Kerl? Wir Deutschen legen auf die bloße Ehr-lichkeit , die sich doch wohl von selbst verstehen sollte, ein viel zugroßes G wicht, und unsere Echauspieldichter legen es oft recht ge-siiffentüch darauf an, die Feinheit dcS Betragens imllmgange vondeu ehrlichen Kerlen mit Füßen treten zu lassen, gleich alsob beide ganz unverträgliche Gegensatze wären. Sonderbar genugsind jene dramalische Dichter eben solche, deren Stücke von der Con-venation selbst den Namen führen. Man pflegt nämluh eine gewisseGattung von Dramen, die durch Stoff und Behandlung, wennnicht an das gemeine, so doch an das gewöhnliche Leben erinnern,zum Unterschiede von der höhere» Gattung, die sich durch cdlerenStoff uud ideale Behandlung auszeichnet, Eonvcrfativnsstncke zunennen, und von vieler Art sind fast alle jene Mitteldinger zwi-schen Lagödie und Komödie, die man seltsam genug seit einigerZeit auch unter dem Name» Schauspiele oder Drama ankün-digt. Lw Famillengemalde gehören auch dazu, sind aber einebe>o»dei> Art. Ich bin weit entfernt sie, wie etliche, die das Kindg rn mir dem Bad auSichutten, gänzlich verwerfen zu wollen; wün-swen aoer möchte ich wohl, daß si nie den guten Evnversatronsto»verlängnr» mochten. Wenn sie dann durch Anmuth des Ausdrucks»Witz, «cherz und FrvhliMteit Kopf und Herz erweiterten, wenn sied-m von Rousseau entworfenen Bilde glichen; wer würde etwas ge-gen sie babe« tonnen? Zwar sind sie immer ein Abfall aus der Poe-sie i» die Prosa, allein baS ließe sich wohl noch übersehe», wen»vnr dir Prosa immer geistreich, beseelt, voll schönen Lebens wäre.Wie oft aber wird man an dir Musen und Grazie» i» der Markerinnert:

Ob wir zierlich uud manierlich,

Geht uns so genau nicht an;

Wir sind bieder uud natürlich,

.. Und das ist genug gethan.

Die armen Schampiclcr sind da, wo solche Stricke herrschend waren,in eine eigne Bcdrän,,n ß gerarden, und wisse», sich nun, eingervsterin le,,er Biederkeit und Natürlicknrit, mit den verwünschten Jam-nessiucken, wie sie das ld.ale Drama zu nenn n belieben, nicht zu««dun. Das würde ihnen aber so gar schwer nicht werden, datteo>" nur früher nicht sia» an einen nichtssagende» Conversationslongewohnt gehabt. ES sollte aus der Bühne alles zugebt, wie im alltäg-lichen roden, und wenn sie nun dies recht treu darstellten, so schmei-chelren six s,g, nick einem gar trcslichen Evnversalivnsrvne. Nichts istmsicher als diese Manmr. So wenig man einen Bettler auf derlvühne mit den schmutzigen Lumpen deS wirklicve» BertlerS behängt,"en ,o wenig wollen wir auch die Manieren desselben- Das Idealealso auch vier nicht verdrängt werden dürfen; das Edle, nicht«r>ik bätte herrschen sollen. Die Anwendung von dem Obigen

"siot sjch nun von selbst Doch wir kcbrcn zu unserem GegenständeAlben, der Sitz der Künste und Wissenschaften, war in sei-'E'zendstcn Periode zugleich der Ort der alte» Welt, wo dieUmgangs nnd der Geselligkeit sich vereinigt halten, «m1">cn Zauber zu verleihen , der idm den Reiz der Jagend»nvergangliH erhält; ^ neuerer Zeit war Paris die Schule des fei-