22 Illusion Jllyrier
bildet durch die anschauende Einbildungskraft den Verstand bestimmt,das Sinnlichdargestellte für wirklich anzusehn. Sie ist nicht dannästhetisch, wenn sie Zweck für sich ist, d.' h. zur bloßen Absichthat, daß das Scheinbare mit dem Wirklichen verwechselt werde, oderwenn sie eine bloß materielle Wirkung bestrebt, sondern wenn sieals Mittel dient, das Schöne darzustellen und das in sich Vollen-dete zu verkörpern. Im erster» Falle würde sie in einen Betrugausarten, besten Gegenstand durch Aufdeckung des Scheins sein In-teresse verliert, oder Mißfallen und Abscheu erregt, (wie z. B. ge-malte Statuen), denn ein Gegenstand muß ein höheres Interesse ansich tragen, wofern er nicht durch die Aufhebung jenes Scheins inNichts verschwinden soll. Die Täuschung aber, welche die Produkteder schönen Künste hervorbringen sollen, ist eine solche, welche, man(d. i. der Gebildete) freiwillig, je mit dem Bewußtseyn, daß dieangeschauten Gegenstände nicht wirklich sind, fortsetzt und er-neuert, wobei man also den Schein festhält, indem die Phantasieden gegebenen oder nur angedeuteten Gegenstand bis zur Anschaulich-keit des Wirklichen ausbildet. So sagt Kant: Kleider, deren FarbeVortheilhaft zum Gesichte absticht, bewirken Illusion; Schmin-ke dagegen ist Betrug. Durch die erstere wird man verleitet,durch den zweiten geäfft, und Betrug der Sinne (s. dies. Art.)findet statt, wenn, sobald man weiß wie es mit dem Gegenständebeschaffen ist, auch der Schein sogleich aufhört. Doch laufest in die-sen Beispielen die Gränzen hart zusammen. Unter allen schönenKünsten ist die Illusion vorzüglich denjenigen, welche sichtbar barster,len (darstellende Künste im engsten Sinne) eigen und natürlich, mit-hin den s. g. bildenden Künsten, (unter diesen aber vorzüglich derMalerei) und den mimischen, z. B. der Schausvielerkunst. Wer die-ses angenehme und unterhaltende Spiel des Gemüths mit dem Sin-nenscheine hervorbringen will, muß sehr genau den Ursprung dessel-ben , oder die Art und Weise kennen, wie sich die Gegenstände un-sern Sinnen zeigen, namentlich was die bildenden Künste anlangt,wie die sichtbaren Gegenstände sich dem Auge darstellen, und derihm gegebnen Kunstmittel schon in einem gewissen Grade mächtigseyn, um denselben durch seine Kunst hervorzubringen. Der Zeichneralso muß z. B. die Wirkungen des Lichts und Schattens kennen,und wissen wie sich die sichtbaren Gegenstände nach ihrer 'Vorderseiteeinzeln, oder in der Ferne, perspektivisch, erscheinen, z. B. wie sich dasInnere eines Tempels perspektivisch zeigt, und diesen Anblick durchAnordnung der Gegenstände auf der Flache täuschend hervorzubringenim Stande seyn. In der Tonkunst hat dir Illusion einen sehr ein-geschränkten Wirkungskreis: da sie das Hörbare in größerer Voll-kommenheit als, die Wirklichkeit zeigt, und alle s. g. Malerei derTonkunst unter' ihrer Würde ist. Auch auf die Poesie wird dieserBegriff übergetragen, und man redet von einer poetischen Illu-sion, wenn die (selbst nicht durch Mimik dargestellten) poetischenGegenstände dem Leser des Gedichts oder dessen Zuhörer mit einersolchen Anschaulichkeit vor die Einbildungskraft treten, daß das Ge-müth sich ganz denselben hingibt und unter ihnen wie in einer beson-dern Welt, verweilt, ja daß sie dem Gemüthe gleichsam wirklich werden. MJllyrier, Jllyrien und Jllyrische Provinzen.Die Jllyrstr, ciy. stammverwandtes Volk der alten Thracier, (ver-mischt mit Griechen, Phöniciern, Siciliern und Celten), verbreite-ten sich auf dem ganzen Küstenland« an der Ostseite des adriatischcn