Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Indien ZZ

«n. Kein fremdes Handelsschiff konnte in den indischen Hafen eineLadung einnehmen, ehe nicht die portugiesischen schiffe befrachtetwaren; kein Schiff konnte sicher in den indischen Gewässern fahren,ohne portugiesische Paffe, und selbst diejenigen, welche mit Erlaub-niß der Portugiesen Handel trieben, durften doch nicht mit Aimmet,Ingwer, Pfeffer, Stahl, Eisen, Blei und Waffen handeln, weildiese Waaren Gegenstände ihres Alleinhandels waren. Der Mittel-punkt ihrer Herrschaft war Goa, wo der Statthalter des KönigSvon Portugal, unter dem Namen eines Bicekönigs oder eines Gou-verneurs , seinen Sitz hatte. Durch kühne, oft empörende Gewalt-streiche sicherten sie ihre Herrschaft in Asien. Sie beschossen diemächtigsten Städte auf den indischen Küsten, verbrannten die Schiffeihrer Feinde in den eigenen Häfen derselben, wiegelten die abhängi-gen einheimischen Fürsten gegen ihre Oberherrn auf, um die innereZwietracht zur Erhöhung ihrer Macht zu benutzen, und keinem Für-sten gewährren sie Frieden oder Bündniß, der nicht dem Könige vonPortugal huldigte und seine Abhängigkeit durch die Erlaubniß eineFestung in seiner Hauptstadt zu bauen, sicherte. Selbst in den Kü-stenländern, wo sie nur handelten und nicht zugleich geboten, sonderndie Eingebornen ihren einheimischen Fürsten allein unterworfen blie-ben, herrschten sie doch mittelbar durch den Schrecken ihres Namens.Portugal verdankt diese Herrschaft der Kraft einzelner vorleuchtcn-der Männer, die in der schönsten Zeit seines Ruhmes mit heroischerBegeisterung zu jenem fernen Schauplatze eilten. Der Hang zu rit-terlichen Abenteuern, die nach der Bezwingung der Mauren keinenGegenstand mehr in der Hcimath fand, hoffte und suchte dort volleBefriedigung. Aber die Nachfolger der Helden, welche die Handels-größe ihres Volkes gegründet hatten, waren nicht mit gleicher Kraftgerüstet; Habgier und Plünderungssucht wurden bald die einzigenBeweggründe, welche zu Unternehmungen antrieben; die Ehre desportugiesischen Namens, dem jene Männer, selbst wenn sie Gewalt-schläge fallen ließen, Achtung zu erhalten wußten, ward immermehr verdunkelt; der empörende Mißbrauch der Gewalt reizte denWiderstand der Eingebornen, welche früher durch die List der hcrrschsüch-tigen Fremdlinge gegen einander, bewaffnet, jetzt beim Anblicke dergemeinsamen. Gefahr desto fester sich verbanden. Als nun auch aufdem Throne von Portugal dem kräftigen Johann dem II, demgroßherzigen EManuel, schwache Fürsten folgten, als unter demverzogenen Jesuitenzöglinge, dem fanatischen Sebastian, dasReich seinem Verfall immer mehr entgegensank, verfiel auch dasstolze Gebäude, in Asien, das der Bäter Tapferkeit und Klugheitgegründet hatte. Die Bereinigung Portugals mit Spanien (rS8o)entschied den Sturz der portugiesischen Hanvelsmacht in Indien. Diespanischen Könige vcrnachläßigten die asiatischen Niederlassungen.Raub, Plünderung und Ungehorsam nahmen überhand; einige Be-fehlshaber in Indien machten sich unabhängig, andre giengen zu denindischen Fürsten über, andre wurden Seeräuber. Die Portugiesenwurden von Holländern und Engländern wie Spanier behandelt.Die Niederlande hatten bisher die indischen Waaren, mit deren Ver-trieb sie sich beschäftigten, von dem großen Handelsmarkte, Lissa-bon, abgeholt. Philipp der ll. aber, unwillig gegen die Abgefal-lenen, verbot den niederländischen S chiffen den Hafen der portu-giesischen Hauptstadt, und zwang dadurch das betriebfame Wölk, vonder Quelle zu holen, was sie vorher aus der zweiten Hand empfan-gene. Lex. (N. Allst.) V. Z