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Fünfter Band. Von I bis L.
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64 Inspiration

heißen hatte, sprächen und schrieben. Dst -Entstehung der biblischenSchriften auf göttliche Eingebung zurückzuführen, und sie wegendieses Ursprungs gib Gottes Wort zu achten, wurde daher ein haupt-gr ndsatz des christlichen Glaubens. Die protestantischen Kirchen ha-ben ihn als die Bürgschaft der Göttlichkeit des Christenthums bei-behalten, aser die seit dem gten Jahrhundert ausgebildete und inder katholishen Kirche gültige Meinung von einer fortwährendenInspiration, die den Kirchenversammlungen und Päpsten zu Theilwerde, und ihren Entscheidungen das Ansehen göttlicher Uussprücheund den Caaracter der Untrüglichkeit gebe, nicht angenommen. Dader Protestantismus die Bibel als die einzige Erkennenißquelle derReligion betrachtet, und der Autorität ihrer Aussprüche alles unter-wirft, mußte seit der Reformation der Begriff der Inspiration einGegenstand genauerer Untersuchungen und Discussionen werden. DerDogmatismus der älteren protestantischen Theologen hat ihn näherzu bestimmen, und die philosophische Kritik der neueren mannichfal-tig zu modisiciren gesucht. Jene dachten sich die Verfasser der Bi-bel im strengsten Sinne als Instrumente des heiligen Geistes, denener nicht .nur den Inhalt, sondern auch die Form ihrer Schriftenwörtlich eingegeben habe. Diese fanden, daß die heiligen Schrift-steller ja als Augen- und Ohrcnzeugen und auf dem natürlichenWege der mündlichen Mittheilung und Ueberlieferung erfahren habenkonnten, was wir in ihren Büchern lesen, und wurden nur darüberuneinig, ob der Beistand, den ihnen der h. Geist bei Abfassung der-selben leistete, in der Bewahrung vor jedem Irrthume beim Nie-derschreiben des ihnen schon Bekannten, oder in einer ungewöhn-lichen Erhöhung ihrer eignen Geisteskräfte bestanden habe. Aberweil die letztere Meinung endlich darauf hinauslief, daß schon jedeEinwirkung der Gottheit auf die geistige Natur des Menschen, durchdie ein Fortschritt in der Erkenntniß möglich würde, Inspirationzu nennen, jeder große sich unerwartet aufdringende Gedanke, jedesAufflammen des Genies, jede Ecaltation des Gefühls für das Guteund Wahre, der Zustand der Begeisterung überhaupt als ein An-hauch Gottes zu betrachten, und sofort was man in diesem Zustande,wo man den Gott in sich fühlt, spricht und schreibt, Gottes Wortwäre; so schien, um die classischen Profanautoren, die in diesemSinne allerdings auch Jnspirirte heißen können, nicht den heiligenSchriftstellern gleichsetzen zu müssen, und die Bibel als ein Werkdes h. Geistes mit göttlicher Autorität von den Werken des mensch-lichen Geistes gehörig zu unterscheiden, eine nach den gegenwärtigenFortschritten der Bibelerklärung modisicirte Rückkehr zu dem älte-ren engeren Begriffe der Inspiration nothwendig. Wenn wir da-her den Eregeten auch zugestehen müssen, daß die biblischen Bücher,was Einkleidung und Darstellung betrifft, der Individualität ihrerVerfasser angehören, und in Rücksicht des historischen Inhalts, stweit ihn die positive Religionslehre nicht in Anspruch nimmt, wieandere Geschichtsbücher der historischen Kritik unterliegen; so bleibenwir doch mit den gründlichsten Doamatikern unserer Zeit dabei, diein der Bibel enthaltene Religionswahrheit als ein über jeden Beo-bacht des Irrthums und jeden Vergleich mit menschlichen Geistes-werken erhabenes, wahrhaft göttliches Wort anzunehmen, ohne überdie Art und Weise der Mittheilung desselben an die h. Schriftstellermehr bestimmen zu wollen, als diese selbst thun und die Natur derSache lehrt. Die Autorität der h. Schrift, die wir bei diesem Glau-

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