Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
76
JPEG-Download
 

76 Intellektuell Intelligenz

- derungen eins Ursache haben, eine intellektuelle Erkenntniß. BisPhilosophie. Fichte^ und Schellings redet von einer intellectucl-len Anschauung, welche nichts anders ist als die unmittelbarerei e Selbstanschauung. Ich schaue mich selbst an, heißt es, in derunmittelbaren, in sich zurückgehenden Thätigkeit, wodurch ich einI ch bin; diese reine Vorstellung meiner selbst ist nicht sinnlich; keineWahrnehmung oder Betrachtung meiner sinnlichen Eigenschaften,meiner persönlichen Beschaffenheit oder Individualität: die Vorstel-lung meines empirischen Selbst setzt schon die intellektuelle Selbst-anschauung voraus: denn Ich bin eher, als ich fragen kann, werich sey? Die Anschauung des Actes, wodurch das Ich entsteht, dasunmittelbare Bewußtseyn der aus sich selbst hervorgehenden und insich selbst zurückgehenden Thätigkeit, macht die intellectuellc Anschau-ung aus. Betrachtet man dies alles genauer, so findet sich, daßbei Mäste das reine Selbstbewußtseyn als intellectuellc. Anschauungin ihrer höchsten Abgezogenheit von sinnlicher innerer Anschauung er-scheint. Bei Schelling sollte die intellectuellc Anschauung als Grund-bewußtseyn der Einheit überhaupt geltend gemacht werden; daherbei ihm die bloße intellectuellc Anschauung der absoluten Identität(s. Schelling). Es ist hier der Ort nicht, dies weiter auszufüh-ren. Wer sich darüber unterrichten möchte, was denn überhaupt dieintellectuellc Anschauung, solle, und wie sie in die neuere Philosophiegekommen sey, der lese in dem Werke Reinhold, Fichte undSchelling von Jakob Fries S. 224 fgg. ckä.

Intelligenz, Bernnnftwesen, d. h. ein Wesen, welches imBernunftgebrauch von sinnlichen Eindrücken unabhängig ist. DerMensch ist Intelligenz in dem Bewußtseyn, daß er, unabhängigvor den sinnlichen Eindrücken der Lust und Unlust, seine Vernunftzum Handeln gebrauchen, seinen Willen frei durch eigene Gesetze be-stimmen kann, und hierdurch ist er in eine andere Ordnung derDinge gesetzt, als die der Sinncnwclt ist. Unter der höchsten In-telligenz versteht man die Gottheit, welche wir nicht anschauenkönnen, weil sie kein sinnliches Wesen ist, und die in der Erkennt-niß nicht, wie wir, von sinnlichen Eindrücken abhängt, sondern dieDinge erkennt wie sie sind, und nicht bloß wie sie erscheinen. RächFichte besteht das Wesen der Intelligenz in der Jchheit oder Gelöst-heit: sie sieht sich selbst zu, schaut sich selbst an, Seyn und Wisse!»ist in ihr unzertrennlich; was sie nicht anschaut, das ist für sienicht, sie selbst ist nur, indem sie sich selbst sieht, also aus sich selbsthandelt. Was für die Intelligenz seyn soll, das muß sie in gewis-sem Verstände selbst seyn, das muß sie in sich selbst finden, in sichselbst anschauen: denn ihr Wesen besteht darin, daß sie sich selbstzusieht. Sie kann nichts seyn, und in ihr kann nichts seyn, wassie nicht setzt, was sie nicht anschaut, dem sie nicht zusieht. DaSvorstellende Wesen ist alles, was es ist, und was für dasselbe ist,nothwendig für sich selbst, und nur in so fern ist es Intelligenz,deren Charakter durch Jchheit bezeichnet wird. Es ist sich selbst Ob-ject, erscheint sich selbst, handelt auf sich selbst: alle Dinge, die fürdasselbe sind, müssen in ihm seyn, zu ihren eigenen Selbsterschei-nungen gehören, Gegenstände ihrer Selbstbeschammg ausmachen.Wei-n man das Sich selbst zusehen das Ideale und das Seyn dasReale nennt, so kann man sagen, das Ideale und Reale ist un-zertrennlich vereinigt. In dieser unzertrennlichen unmittelbaren Ver-einigung des Zusehens und Scyns, des Idealen und Realen, besteht