Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
135
JPEG-Download
 

Italiänische Musik , IZZ

den Unterschieb zwischen dem deutschen und italiänischen Style inder Musik werden sollte. Wenn nun, wie wir gesehen haben, diesebeiden Arten Musik nur in. her Quantität und in der Form, nichtgver in der Qualität und Mater,? von einander verschieden sind,wenn demnach zwischen beiden noch immer eine gemeinschaftlicheBeziehung Statt findet, welche in der Gleichheit ihrer inm'.n Na-tur und ihrer ersten wesentlichen Entstehung begründet ist, so machtdagegen die französische Musik, von der wir jetzt reden wol-len, in so fern diese nämlich ein nationelles, keinem fremden Volkenachgebildetes Erzeugniß ist, eine ganz eigne, von der italiänischenund deutschen Musik gänzlich verschiedene Gattung aus, Um diesein und durch sich selbst vollkommen dqrthun zu können, ist es nö-thig, hier von dem Unterschiede, welcher zwischen der französischenund übrigen europäischen poetischen Bildung vorhanden ist, wenig-stens im Allgemeinen zu handeln Wenn sowol in der physischen,wie in der moralischen Natur, Freiheit die erste und unerläßlichsteBedingung ist, unter welcher jegliche Kraft des Menschen sich einzigund allein in ihrem ganzen Umfange zn äußern vermag (der ge-fesselte Fuß ist zum Gehen , also der gefesselte Geist zum Schaffen un-tauglich); so ergiebt sich daraus / daß die bürgerliche Freiheit, wel-che, gleich der physischen, stets die moralische bedingt, und welchebei den Griechen in ihrer gänzlichen Vollkommenheit vorhanden war,auch diese, nämlich die moralische Freiheit, jn den Stand gesetzt ha-ben muffe, die eigentlichsten und größten Geistcswerke der altenWelt hervorzubringen. Und dies ist denn auch in der That derFall gewesen. Die bürgerliche Freiheit der Griechen ward nunaber auch durch eine religiöse Freiheit mächtig unterstützt: denn re-ligiös frei waren die Griechen, in so fern nämlich eiye gegebene, po-sitive Religion, welch? das Daseyn der Gottheit mit dem Verständeals wirklich vorhanden kennt, und davon mit Gewißheit überzeugtist, also dasselbe nicht blos mit dem Gefühle zu ahnen braucht, dergeoffenbarten Religion, die, statt zu wissen, nur glauben'kann, ge-radezu entgegengesetzt ist. Die Griechen waren also in wirklichem,mit dem Verstände begriffenem Besitze ihrer, im Raume vorhande-nen Götter, und ihre Poesie also Erguß des Wohlgefallens an die-sem wirklichen Besitze. Dies macht den Charakter ihrer Poesie,der allenthalben etwas Reelles, Positives und wirklich Vorhandeneszur Erscheinung dringt, also mit her bloßen Ahnung durch das Ge-fühl auch nicht das Allergeringste gemein hat. Diese Ahnung derGottheit, im Gegensatze mit dem vollen Bewußtseyn der Existenzderselben, macht nun aber den unterscheidenden Charaktep aus, wel-cher zwischen der Religion der Griechen und der Religion der Chri-sten vorhanden ist: jene war im wirklichen, von dem Verstände be-griffenen Besitze der Gottheit, also Positivs diese hingegen, als ge-offenbarte Religion, ahnet pur den Besitz der Gottheit. Die Freudeam wirklichen Besitze gibt also den Charakter der Religion, so wieden der Poesie der Griechen, dahingegen die bloße Ahnung des Be-sitzes der Gottheit die Grundlage der christlichen Religion, so wieder christlichen Poesie macht. Und diese Poesie nennen wir, im Ge-gensatze mit der Poesie der Griechen, die romantische. Daß dieseromantische Poesie, um sich gehörig zu gestalten und ;u entwickeln,ebenfalls der Freiheit bedurfte, versteht sich von selbst: das uner-müdliche Streben der kleinern italiänischen und deutschen Staawn,die sich von keinem allgemeinen, alleingebietenden Oberhaupte Fes-