Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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IA4 Italiänische Musik

deutschen, besonders aber der französischen Musik, von einander ver-schieden ! Die italiänische Musik muß aber schon deshalb unserehöchste Bewunderung auf sich riehen, weil sie sich, wie schon obenerwähnt worden ist, von allem Einflüsse des Auslandes möglichstzu bewahren gewußt, und dadurch in sich selbst eine Festigkeit, eineKonsequenz bewahrt h:t, die in dem Maße keiner Erfindung desmens chlichen Geistes zu Theile geworden ist. Wenn wir nun vondem streng unveränderlich, n Charakter der italiänischen Musik gere-det haben, so kann es freilich nicht unsere Absicht seyn, zu behaup-ten , daß die Natur derselben noch bis auf den heutigen Tag injeder äußern mechanischen Einzclnheit dieselbe sey, wie zur Zeit ih-rer gänzlichen Ausbildung zur Kunst: in ihrer quantitativen Naturhat sie sich freilich verändern müssen, ob auch dies gleich nicht indem Maße geschehen ist, wie es wol bei andern Erfindungen desGenies der Fall zu seyn Pflegt; aber das behaupten wir mit Ernst,das quantitative Wesen der italiänischen Musik ist noch stets dasselbe,was es vor anderthalbhundert Jahren war. Aus diesem stets sichgleichbleibenden, unveränderlichen Charakter der italiänischen Musiksollte man fast geneigt seyn zu schließen, daß die Art des Satzes,welche wir in ihr vorherrschend finden, eigentlich den wahrsten unddie Natur am angemessensten bezweckenden Charakter der Musik auf-stelle, und daß jede Abweichung von demselben nur den Nachtheildieser Kunst zur Folge haben könne. Nichts destoweniger hat diedeutsche Musik in den letzten dreißig Jahre» eine fast gänzlichneue, und von dem Style der italiänischen Musik durchaus abwei-chende Bahn gebrochen. Wenn die Setzkunst der Jtaliäner in ihremStreben nach bloßer Melodie noch nicht eigentlich romantisch zu seyn,sondern sich vielmehr nur als Uebergang von der reinen Poesie derAlten zu der Romantik der Neuern einseitig zu gestalten schien; soist es daher der deutschen Musik vorbehalten gewesen, in dem tau-sendfältigen wunderbaren Spiele der Harmonie, verbunden isiit derMelodie, den romantischen Charakter auf das vollkommenste zuentwickeln und auszubilden. Es scheint überhaupt, daß die Roman-tik, jemehr sie sich dem Norden nährt, sich auch immer vollkomme-ner zu gestalten strebe: davon zeigt der Charakter der nordischenPoesie, im Gegensatze mit der Poesie des südlichen Europa, Diedeutsche Musik steht daher auf dem Punkte, sich, da schon an undfür sich selbst nichts in der Natur romantisches ist, als eben Musik,zum vollkommensten Erzeugnisse der romantischen Kunst auszubilden:wir dürfen hier nur Mozarts Werke, besonders die eigentlich ro-mantischen, nennen, welche,-dünkt uns, Borbilder für alle jetzigeund folgende Musik sind. Wenn man endlich durchaus geneigt seynsollte, den eigentlichen Unterschied, so wie wir ihn zwischen derjetzigen italiänischen und deutschen Musik finden, nicht blos mit demGefühle zu ahnen, sondern auch mit dem Verstände zu verstehen, sokönnte jener Unterschied etwa so dargethan werden, daß die italiä-nische Musik nur formell, die deutsche hingegen formell und mate-riell zugleich romantisch sey. Um überhaupt den Unterschied zwischender italiänischen und deutschen Musik auch selbst dem Unkundigenverständlich zu machen, dürfen wir ihn nur einladen, Mozarts DonJuan und Paesiellos Müllerin neben einander zu stellen, und daswas er in jenem Grell - Verschiedenes von der Musik dieser findet,für das Eigentlich - Romantische zu nehmen. Es ist unmöglich, daßauf diesem Wege wicht auch dem Unerfahrensten ein Ausschluß über