Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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143
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Italiänische Poesie 143

spricht, ihr kurzes Glück mit glühenden Farben schildert und er-zählt , wie es durch plötzliche Trennung zerstört worden sey. Diesesist jedoch nur der Anfang, den größten Theil des Buches nimmt ihrSchmerz über diese Trennung ein, ihr Verlangen, welches mit Liebeausgeführt und mit allen Thorheiten zu denen es sie lockt, darge-stellt ist; wie sie von Eifersucht zerrissen, dennoch wieder Hoffnungfaßt, wie diese immer höher steigt, und endlich nach dem Ziele siedennoch täuscht; wie nun der Schmerz immer tiefer gräbt, da sienie wieder von dem Geliebten hört, bis sie sich ruhig auf immerden ewig gleichen Schmerzen ergiebt. Es ist so g t wie keine äußereGeschichte, auch keine Charakteristik und Jndivitualität; alles istgroß und allgemein, es ist nur Liebe nichts als Liebe. Alles istdurchdrungen von Sehnsucht, von Klage und von tiefer verborgenerGluth. Verschmäht ist auch der Reiz der aus der Nachbildung derweiblichen Manieren in der Schreibart entstehen kann, als unterder Hoheit dieser Elegie, die würdig wärt zwischen den besten desAlterthums und den Gesängen des Petrarca auf dem Altar der Lie-be zu ruhn. Diese weitläuftigere Erwähnung des Inhalts derFiammctta dürfte vielleicht, da das gegenwärtige Werk so glücklichist ein ausgezeichnet großes Publikum zu finden, dienen, die ge-nauere Bekanntschaft mit diesem Gedichte, was bis jetzt eine litterä-rische Seltenheit ist, zu veranlassen. Sticht nur die übrigen Werke desBoccaccio (s. dies. Art.) auch seine Novellen sprechen im Durchschnittmehr oder weniger deutlich denselben subjectiven Charakter seinerdichterischen Tendenz aus und mit der gewohnten Tiefe hat der ob-crwähNte Ccitiker dargethan, daß der anscheinend objective Charak-ter der Novelle sie um so glücklicher, oft glücklicher die rein lyrischeForm, zu subjxctiven Darstellungen auf eine zwar indirecte aberdarum oft anmuthigere Weise, aneigne. Der Inhalt des Decame-rone (vermissen wir gleich noch eine wahrhaft gute Uebersetzung die-ses reichen Werkes), darf wol bei den meisten Lesern als bekanntvorausgesetzt werden. Wahrend Florenz von einer verheerenden Pestheimgesucht wird, welche zu Anfang des Dccamerone, mit einerKraft geschildert wird, welche sich nicht schämen darf an eine gleicheBeschreibung im Thucydides zu erinnern, versammeln sich drei Jüng-linge und sieben junge florentinische Damen, um der Ansteckung zuentfliehen auf einem Landsitz einer reizenden Gegend. Hier versam-meln sie sich zehn Abende nach einander unter dem wechselnden Vor-sitz eines Königs oder einer Königin aus ihrer Mitte, und jedeserzählt eine Novelle. „Heitre Reden, Landlust uno Gesänge"schmücken das reiche Werk wie „ein goldener Rahmen." Hr. Bou-terweck, von dem wir übrigens gestehen müssen, nicht wenige No-tizen entlehnt zu haben, scheint den oben angedeuteten Charakterder Novelle wenig verstanden zu haben, wenn er die gleichmäßigeErzählungsweise in dem Munde eines jeden Erzählenden tadelswcrthsindet. Obschon unter allen Werken des Boccaccio der Styl in derWammetta am größartigsten und ausgebildetesten ist, so „däß dasvortrefflichste und Größte was derDecamerone auszuweisen hat, nurmS Annäherung oder Nachhall erscheinen kann gegen diese Würdeund ^Schönheit," ward doch der Styl des Decamerone, den, welchentue Jtaliäner am meisten nachbildeten. Ja lange schienen sie (eineallerdings höchst einseitige Bewunderung) für> keine Gattung derllros« ein höheres Muster als den Styl des Decamerone zu kennen.Zugleich gebührt dem Boccaccio der Ruhm in seinem Filostrato den