l42 Italiänische Poesie
schaftlicher Beaeisterungsquell in ihm keine Ihre von »inem Werkedas die künstlerische Objectivität der vivinu Lowirnoäiu hätte,aufzuwecken vermochte. Allein in jener lyrischen, rein snbjectivenund darum untergeordneteren Gattung der Poesie wird er ewig umerreichbar seyn. Hier erscheint er in der Masse voll Sonetten undCanzonen zu Laura's Ruhm als der erfindungsreichste und sinnvoll-ste Dichter. Gleich groß sind seine Verdienste um die itlll. Sprache.Wahrend sie im Dante noch manche Sprödiqkeit und'Harre hat,welche jedoch das majestätische Gedicht mehr heben als verunstalten,hat er sie, der geistreiche Kenner römischer höchster Spracheleganz,zur vollendetesten Schönheit und Reinheit, z» dem reinsten Wohl-klang ausgebildet. Zahllos kann man die Schaar seiner Nachfolgernennen. Der Ruhm den Petrarca sich in einer Gattung erworbenhatte, welche an sich leicht genug war, (denn was ist leichter alsein Sonett, eine Canzone zum Lob der Geliebten) war zu verfüh-rerisch. Hätten jedoch die Petrarchisten bedacht, daß seine Vor-trefflichkeit in dieser Gattung, sein sinnvoller Erfindunzsrcichthumso unendlich sey, daß jede Racheiferung nur die llnmöglichkeit ihnzu erreichen belegen müsse, sie würden vorsichtiger gewesen seyn,sich der gewagten Bergleichunq auszustellen. Doch Petrarca selbstnöthigt die Strenge dieses Urtheils zu mildern; denn leider! ja ha-ben wir von ihm eine höchst verunglückte Nachahmung des Dante,die nichts gemeinsames mit der vivuna Oainmsciin hat, als dieierre riina. Wir meinen Pctrarca's in Oaxiioli eingetheiltenTriumphe, der Liebe, der Keuschheit, des Todes, des Nachruhms,der Zeit und endlich der Gottheit. Ihren Inhalt genauer anzuge-ben, versparen wir auf den Petrarca besonders-gewidmeten Artikel;da sie ohne Einfluß auf die Gesammtheit der ital. Litteratur geblie-ben sind. Boccaccio iZi3—-G/S *), bekannt und berühmt wiePetrarca's Sonette, ist dessen Novellensammlung, der Decamerone.Gleich den Petrarchisten erfüllen dessen Nachahmer die ital. Litte-raturgeschichte. Obgleich der sentimentalen Zartheit des größten So-nettendichtcrs entgegengesetzt, kann man doch von ihm mit demsel-ben Rechte wie von jenem sagen, daß er nur bloß für die Liebelebte. Maria, natürliche Tochter des Königs Robert von Neapel,Gemahlin eines dortigen Großen, Schwester und Freundin der Kö-nigin Johanna, deren unglückliches Schicksal sie theilte, entzündeteseinen jugendlichen Sinn zu der feurigsten'Liebe. Veredelung derrohen männlichen Jugendkrast durch" die Liebe, eine kräftig glühendeSinnlichkeit und naive Herzlichkeit im Genuß, der durch plötzlicheTrennung schnell unterbrochen wird, wodurch zerrissen die Liebendenden Schmerzen über solche Trennung sich bis zum Tode heftig über-lassen, sind überall die Grundzügc von Boccaccio's Liebe und seineAnsicht derselben. Die Tendenz seiner Kunst war es diese Sub-jektivität mit tiefster Wahrheit und Innigkeit rein an das Licht zustellen. Sie spricht in der Fiammetta, dem Roman, den er nochals Mann, längst von ihr getrennt, dem Angedenken der Geliebtenweihte, am deutlichsten aus. Die Fiammetta ist das herrliche Denk-mal, welches Boccaccio auf den Gipfel seiner geistigen Kraft derGeliebten zur ewigen Verherrlichung sehte. Es ist eine in mehrereBücher abgetheilte Rede oder Erzählung, worin Fiammetta selbst
-) lieber,zeugt von der Trefflichkeit der im -wen B. der Cbarakieristiken undKritiken von F. W. Stilleget gegebene» Nachr-cht über die poetischen Werktdes Johannes Boccaccio haben wir diesen tast wörtlich benutzt.
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