Italiänische Poesie 145
Pulci. Der erste von den genannten Brudern wird weit von denbeiden andern verdunkelt. Der Eiriffo Caloaneo des zweiten ein epi-sches Nittcrgedicht, an sich ebenfalls ohne besondern Werth, undFragment, ist merkwürdig als erster bedeutender Anklang zu jenemironisch ernsthaften Ritterheldcnliede, welches bei dem untergebendenGeist des itterthums und beim Ausgang des eigentlich poetlschenMittelalters durch den unabänderlich dichterischen Charakter der Jta-liäner nothwendig bedingt war. Von ihm sind auch Nachahmungender ovidischen Herolden in ierre riine. Der dritte, Luigi Pulci(mehrere seiner poetischen Hervorbringungen zu geschweigen, welcheihm wol nie einen berühmten Namen gemacht haben würden),, istdurch seinen Morqante der würdige Borläufer des Ariost'ö gewor-den. Von Mattes Maria Bojardo, Grafen von Scandiano, 1426—>1494, lebte am Hofe zu Ferrara; von ihm der verliebte Ro-land. Dieser ist aber, so wie er ursprünglich war, wenig be-kannt. Bekannter ist er in Domenichi's Verbesserung und Berni'sgänzlicher Umgestaltung. Bojardo's ernsthafte Manier konnte denZtaliänern wenig zusagen, da sie nicht den Ernst sondern jene Iro-nie einmal in den Ritterepopöen lieb gewonnen hatten. Glei' zeitigmit diesen Dichtern laufen die sogenannten Petrarchistcn als Haupt-bestandtheil der Masse ital. Poesie. Denn unter allen Elementender Poesie bleibt die Liebe ewig neu. Unter diesen Petrarchisten istSerafino d'Aquila aus Abruzzo, gegen Ende des aZten Jahrhundertsam berühmtesten geworden. Als bei den Jtaliänern wenig versuchteGattung sind die Barzelletten (Lieder) ebendesselben zu bemerken.Tibaldeo von Ferrara 146?—1ZA7, und Bernardo Accolti (mit demZunamen der ein ige Aretiner) dürfen neben dem Serasino genanntwerden. Als ital. Dichterinnen glänzen die Mutter des Lorenzo vonMedici (Lucretia Fornabuoni, eine der vortrefflichsten Frau.cn ihrerZeit); Jsabclla von Arragonien und serasino Colonna. Tue Ge-schichte der ital. Poesie vom Ende des iSten bis zum Ende des i6renJahrhunderts, der Periode, wo der Enthusiasmus ital Fürsten undbesonders der Papste für Poesie und Kunst in edelmüthigcr Beför-derung des Talentes auf das herrlichste wetteiferte, beginnt mitAriost. Da diesem aber bereits ein besonderer Artikel gewidmet ist,wir auch bei Erwähnung der weniger bekannten Borgänger im Fachdes ariostischen Ritterepos das Wesen dieser Gattung und ihre Be-dingungen in der Zeit angedeutet haben, so dürfen wir ihn hiermit Stillschweigen übergehen. Giovanni Giorgio Lrissino (wir wer-den diesen nüchternen Nachahmer der Alten noch einmal bei der Ge-schichte des ital. Theaters erwähnen müssen) suchte den Ariost gegen-über in seiner Befreiung Italiens von den Eothen eine ernsthafteregelmäßige Epopöe aufzustellen, wozu ihm der fünffüßige Iambeohne dlcjm geschickter schien als die ottavs riina Das Ganze ist überalle Maaßen trocken und nüchtern. Giovanni Rucellai, 147S — 1:25,von ihm ein Lehrgedicht, die Bienen; auch in fünffüßigen reimlosenLamben, aber voll der höchsten Zartheit. Luigi Llamanni, 149g—>r 5 S 6 , von ihm ein Lehrgedicht über den Ackerbau. Bon ihm istauch in ottave riiNL eine Bearbeitung des altfranzösischcn Romansvon Giro» dem Adlichen. Seine Auarchide (von Auarcum dem altenNamen des Flecken Bourges in Frankreich), ist eine mit wenigemGlück auf modernen Boden verpflanzte Jliade. Bon Sanna aro,1423 —iS 55 , der sich besonders in der neueren lateinischen Poesieausgezeichnet hat, ist ein Schäserroman , Arcadien, theils in Ber-«on». «ex. cN. Anst.) V. 10