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Fünfter Band. Von I bis L.
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244 Joseph H.

chischeu Grenzen, und erst 7 Jahre darauf machte der aachner Friededem Kriege ein Ende. So waren es dann Nachrichten von Schlach-ten, von Eroberungen und Verwüstungen, die Joseph statt derWiegenlieder und Fecnmährchen hörte, und vielleicht trugen diesedunklen Eindrücke dazu bei, in ihm späterhin den kriegerischenGeist zu erzeugen, der sich mit seiner übrigen- menschenfreundlichenGesinnung nicht zu vertragen scheint. In den Wissenschaften bliebJoseph hinter seinem Bruder zurück; doch zeigte er muntern Geistund Scharfsinn und machte besonders in den Sprachen, der Mathe-matik und Musik gute Fortschritte. Die Handlungsweise seinerMutter trug von nun an wahrscheinlich vieles zur Bestimmung sei-ne? Charakters bei. Sein lebhaftes Temperament und ihr strengerWille »Pußten sich natürlich oft begegnen; er gehorchte dann ausEhrfurcht, aber ohne Ueberzeugung und mit zurückgehaltenem Un-willen. Sie war fromm; der Sohn bemerkte, wie sehr ihre andäch-tige Denkungsart gemißbraucht wurde; und so bekam er eine unbe-siegbare Abneigung gegen die Geistlichkeit. Sie legte einen zu hohenWerth auf die Geburt und so faßte er früh einen Widerwillen ge-gen unverdiente Vorzüge und sah in den» Menschen nichts als denMenschen. Unterdessen war der siebenjährige Krieg ausgebrochen;alles war bereit, daß der Thronerbe zur Armee abgehen sollte, alsTheresia ihren Entschluß zurücknahm und der mißvergnügte Erzher-zog bleiben mußte. Er verheirathete sich 1760 mit der PrinzessinnElisabeth von Parma und diese Ehe wurde ein Band der zärtlichstenLiebe; aber er verlor sie schon im zweiten Kindbette. Von seinerzweiten Gemahlinn, der bayerschen Prinzessinn Josephe, mit derernicht so glücklich lebte, wurde er auch bald wieder durch den Tod ge-trennt. Nach dem hubcrtsburger Frieden ward Joseph »764 zumrömischen König erwählt und ein Jahr spater, nach dem plötzlichenTode seines Vaters, zum Oberhaupte des deutschen Reichs. SeineMutter erklärte ihn zwar zum Mtregcnten und übertrug ihm dieVerwaltung der Armeen; aber die eigentliche Regierung blieb in ih-ren Händen. Joseph hatte wahrend des Krieges Veranlassung ge-habt, aufmerksam auf den großen Gegner seines Hauses zu werden,ihn zu bewundern und sich zum Muster zu nehmen. Von diesem Mu-ster durchdrungen, trat er seinen erhabenen Beruf an; da er jedoch,außer in dem Kriegswesen, das er mit Lascy verbesserte, wenigfreie Hand hatte, benutzte er diese Zeit zum Reisen, um seine Staa-ten selbst kennen zu lernen. Auf einer derselben besuchte er, alsGraf von Falkenstein, am - 5 . Aug. 1768 Friedrich den Großen imLager bei Neiffe. Die beiden Monarchen setzten sich über den Zwangdes Ceremoniels hinaus, unterhielten sich geheim und vertraut, undman sah sie, wie zärtliche Freunde, Arm in Arm gehen. Im fol-genden Jahre erhielt der Kaiser im Lager zu Mährisch - Neustadt ei-nen Gegenbesuch von Friedrich. Sie besprachen sich lange über dieTheilung Polens, die bald darauf zu Stande kam, wodurch Oester-reich die Königreiche Gallizien und Lodomirien nebst drei MillionenMenschen ohne Schmertschlag bekam. Im I. 1777 reiste er nachParis, wo er am »8. April ankam, verließ es nach 6 Wochen wie-der und jedermann war von ihm entzückt. Als nun am Ende diesesJahrs der Kurfürst von Bayern starb, so brach zwischen Oesterreichund Preussen der bekannte Erbfolgekrieg aus. Diesem machte The-resia, ohne Vermissen ihres Sohns, ein Ende, indem sie mit Frie-drich Frieden schloß. Als diese im I. »77g gestorben war, trat Je-