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Ioseph Joseph II. 243
fängniffe, wohin ihre Beschuldigungen ihn bringen, weiß er sich mitdem Vertrauen des Aufsehers bald einen bedeutenden Wirkungskreiszu verschaffen, und die kraftvolle Auslegung, die er dem darin ver-hafteten königlichen Mundschenken von einem Traume giebt, bahntihm den Weg zum glänzendsten Glücke. Denn nachdem der Mund-schenk wieder zu Gnaden gekommen, erinnert er sich bei Gelegenheiteines Traumes, um dessen Deutung sich Pharao und der ganze Hofbekümmert, des hebräischen Knechtes, der rhn im Kerker den inni-gen so glücklich und sicher gedeutet hatte. Joseph wird gerufen underklärt den Traum des Königs von den 7 fetten und 7 magernKühen mit einer Geistesgegenwart und Kenntniß des Landes durch7 fruchtbare und 7 unfruchtbare Jahre, die Aegypten nach einanderzu erwarten hätte, und giebt dabei so zweckmäßige Vorschläge zurSicherung des Volkes vor Mangel an die Hand, daß Pharao ihnauf der Stelle zu dem Manne macht, durch den sie ausgeführt wer-den sollen. Die großen Verdienste, die er sich auf diesem Postenum Aegypten erwirbt, rechtfertigen ganz das Vertrauen des Königs,der ihn Vater des Vaterlandes genannt und zum Zweiten im Reichegemacht hatte. Verheirathet mit der Tochter eines ägyptischen Gro-ßen, im Besitze der höchsten Gewalt und Würde nach dem Königeund der Liebe des Volks sieht Joseph alle seine Wünsche befriedigtaußer der Sehnsucht nach den Seinigen. Aber auch diese will dieVorsehung ihrem Lieblinge gewähren. Seine Bruder kommen iirden Jahren der Theuerung, um Korn aus den von ihm angehäuftenMagazinen zu kaufen, aber ohne sich ihnen gleich zu erkennen zu ge-ben, sucht er sie durch mehrere harte Proben zur Reue über dasgegen ihn begangene Unrecht zu bringen und ihre Gesinnungen zuerforschen, bis endlich sein Herz ihn übermannt und in rhre Armewirst. Höchst rührend ist dieß Erkennen und die Scene, wo Jo-seph den mit seiner ganzen Familie nach Aegypten gerufenen Vaterwiedersieht. Er, den seine Brüder verstoßen hatten, wird nun ihrWohlthäter, wofür Jacob bei seinem letzten Segen seinen beidenSöhnen gleiche Rechte mit den übrigen Brüdern giebt und daherzwei Stämme, Manasse und Ephraim, das Andenken Josephs un-ter den Hebräern erhalten. Niemand kann ohne lebhaftes Interesseso große Talente so seltne Tugenden und Verdienste, so ausgezeich-nete und wunderbare Schicksale in einem Manne vereinigt wahrnehmen,der den ältesten Zeiten der Menschengeschichte angehört. Die Erzählungseines Lebens ist unstreitig die schönste Parthie in den mosaischenSchriften, und ob sie gleich jedermann weiß, fürchten und hoffenimmer noch Junge und Alte beim Wechsel seines Glücks, wenn siedie einfache Darstellung jener Urkunde lesen. Darum ist Josephauch ein Lieblingsstoff der Kunst, gute und schlechte Gemälde habendie Scenen seines Lebens verewigt, zahllose Poesiecn und Romanehaben meist ohne ihr Original zu »errathen die Züge seines Charak-ters und den Gang seiner Schicksale nachgeahmt und erst neuerdingsist er in Mehulls Oper wieder auf die Bühne getreten und durchalle Zauber der Tonkunst verherrlicht worden. L.
Joseph II., römisch-deutscher Kaiser. Die Zeiten, wo dieserseltene und zu großen Dingen b stimmte Monarch die Welt betrat(am iZ. März -741) waren eben so kriegerisch, seine Staaten ebenso unruhig, als da, wo sein brechendes Auge wieder Abschied vonihnen nahm. Schon war Friedrich der Große Besitzer von der einen *Hälfte Schlesiens, schon näherte sich die bayerische Armee den Lsterrei-