Joseph II- Joseph Bonaparte 247
die Kenntnisse und Erfahrungen besaßen, die er sich gesammelt hatte.Wenn ihm eine nützliche Erfahrung deutlich geworden war, so solltesie nun auch wirksam werden. Aber niemand verstand ihn, oderwvllte ihn verstehen, und Vorurtheil und Eigennutz stellten ihmtausend Schwierigkeiten entgegen. Dieser Widerspruch aus so unlau-ter!, Quellen führte ihn dann natürlich auf Unbieglamkeit und Härtein seinen Entschließungen. Man wird unwillkührlich von dem Ge-fühle einer sanften Wehmuth ergriffen, wenn man dem AndenkenJosephs eine ernsthafte und anhaltende Betrachtung widmet. EinWeiser, der immer das Gute wollte, und es doch nur so seltenausführen konnte! Ein Regent, der seine Staaten zu beglückensuchte und sie unglücklich machte! Ein Vater, der sich für seine Kin-der aufopferte und dem sie es nicht dankten! Ein Mensch, der alleMenschen liebte, und von ihnen nicht wieder geliebt, ja endlich so-gar gehaßt wurde! Sein früher Tod gewahrte ihm nicht einmal denTrost, aus den harten Schlägen des Schicksals, die er erduldenmußte, die Belehrungen ziehen zu können, die darin liegen und mitderen Hülfe er vielleicht alles wieder gut gemacht haben würde,was sein zu großer Eifer verdorben hatte. Kraftvolle, rasche Men-schen lassen sich selten durch die Warnungen der Geschichte, oderdurch den vorsichtigen Rath ihrer Freunde leiten; im Vertrauen aufihre Kraft wollen sie alles selbst versuchen. Joseph konnte die Schu-le der Erfahrung nicht beenden, und die Schule der Könige ist dochso schwer und so lang! Man denke sich ihn als einen sechzigjärigenMann, mit kühlerm Blute, mit der Klugheit des Alters, mit dengroßen und theuern Erfahrungen seiner frühern Jahre, würde er danicht vielleicht der beglückendes und glücklichste Regent der Erde ge-worden seyn? Achtung, Ehrfurcht und Mitleiden also, ihr Zeitgenos-sen , dem Helden, der in der Mitte seines Berufes gefallen ist!
Joseph Bonaparte, ward den 7. Januar 1768 zu Ajaccioin Corsika geboren, und widmete sich dem Geschäfte seines Vaters,Carl Bonaparte. Er begann die juristische Laufbahn als Ab-schreiber und Gehülfe eines berühmten Rechtsgelehrten; als aber sei-nes Bruders Napoleon Glücksstern in Frankreich herrlich auf-gieng, verließ Joseph Corsika, kam nach Frankreich, vermähltesich dort am -4. Sept. ,794 mit Marie Julie Klary, undwurde Kriegskommissair, Bataillonschef der Volontaires natio-naux, Chef der Administration bei der italiänischen Armee, dannAmbassadeur zu Rom. Sobald Napoleon das Directorium ge-stürzt und sich durch Gewalt und Intrigue zum Oberconsul erhobenhatte, schob er am ,Z. Dec. 1799 seinen Bruder Joseph in dasaus ioc> Mitgliedern bestehende Tribunal. Dem verschlossenen,schlauen und mit den gewöhnlichen politischen Kunstgriffen noch ausseiner Akvokatenlaufbahn wohlbekannten Joseph fehlte es keincs-wcges an Talenten sich geltend zu machen und seines Bruders hoch-fliegenden Planen wesentliche Dienste zu leisten. Er hatte dies schonim I. 1797 bei einer in Rom veranstalteten Jnsurrection bewiesen.Ihn hierzu noch mehr auf den rechten Platz zu erheben, war Na-poleons angelegentlichste Sorge, und daher ernannte er ihn amai. Oct. igoo zum bevollmächtigten Minister beim Friedenskongreßm Luneville. In dieser diplomatischen Qualität unterhandelte Jo-seph die Friebenstractaten-von Luneville, Morfontaine, Amiensund Paris. Er wurde auch in Gesellschaft von Cretet und Bar-nier gebraucht, um mit dem Cardinal Eonsalvi, dem Erzbi-