sq8 Joseph Bonaparte
schoff Spina, und dem Pater Caselli (als päpstlichen Abgeordne-ten! daß am iS. Julius i8ai abgeschlossene Concordat, vorzu-bereiten. Im 1.1804, chis Napoleon die Kaiserkrone erwarb, sahsich Joseph schnell nach einander zum Staatsrath, Senator undInhaber der Senatorie Brüssel; dann zum Großofficiec und Mit-glied des großen Raths der Ehrenlegion und der eisernen Krone;endlich selbst zum französischen Prinzen, Großwahlherrn von Frank-reich und nächsten prasumtiven Erben der Kaiserkrone, erhoben.Napoleon schien ihm unter seinen Brüdern das meiste Vertrauengeschenkt zu haben, obgleich Lucian, seinem Ehrgeize noch weitwesentlichere Dienste geleistet hatte.' Unterrichtete Personen, schrei-ben Joseph einen verschlossenen ächt italiänischen Charakter zu, be-haupten jedoch, daß er von Natur nicht zur Grausamkeit geneigt,vielmehr milde, schwach und für fich selbst keiner energisch-durchgrei-fenden Maaßregeln fähig, am wenigsten aber ein guter Soldat,oder einsichtsvoller Taktiker sey, obgleich er den Titel eines Lieute-nants des Kaisers führe. Dessenungeachtet bestimmte ihn Napoleon,nachdem die Dynastie von Neapel durch die Proclamation vom 27.Dec. 1806 für unwürdig zu regieren erklärt worden war, zum Be-herrscher beider Sicilien. Joseph hielt am iS. Fcbr. »806 seinenEinzug in Neapel und erklärte dem Volke durch eine Proclamationvom 21. Febr.: des Kaisers Rache sey vollendet, die Abänderungder Dynastie Neapels für immer bestimmt, und die Nation werdein Kurzem die Wirkung der wohlthätigen Veränderung erfahren.Wirklich erschien am 3o. März des Jahrs das kaiserl. Decret, wo-durch Joseph Napoleon zum König von Neapel und Sicilienernannt, die Verfassung des Reichs bestimmt, sechs große Reichs-lehen darin errichtet und eiste Million Franken von den Einkünf-ten des Landes, für verdiente französische Militärs ausgesetzt wur-den. Aber Joseph gelangte dadurch keinesweges zum ruhigen Be-sitze des Thrwns von Neapel. Der tapfere Prinz von Hessen-Philippsthal, die englischen Expeditionen von Sicilien ausund die entschlossene, mit großer Rachsucht vergesellschaftete Wider-setzlichkeit des neapolitanischen Volks selbst, verkümmerten den Ge-nuß der usurpirtcn Herrschaft gewaltig. Inzwischen war der neueHerrscher eben so fruchtbar an Decreten, welche Neapels alte Ver-fassung umwarfen, als sein kaiserl. Bruder, dessen glänzendes Vor-bild überall befolgt wurde. So erschien schon in den ersten Mona-ten des I. 1807 das die Ordensgeistlichkeit aufhebende Decret; sowurde unter Josephs Vorsitz, die am 18. März d. I. gestifteteAkademie der Alterthümer eröffnet, das Feudalsystem gänzlich abge-schafft und das Reich in i3 Provinzen getheilt. Die Verschwörungengegen die aufgedrungene Herrschaft dauerten indessen fort, und derHaß fand von Sicilien aus stets neue Nahrung. Im Anfang desI. '808, stattete der Minister des Innern einen Bericht über dieLage des Reichs ab, der höchst ruhmvoll für Josephs Regierungklang. Auch ward nun der Orden beider Sicilien, der aus 6Z0Rittern bestehen sollte, gestiftet, aber gerade in der Mitte einerals höchst wohlthätig gepriesenen Thätigkeit, rief NapoleonsMachtwort, den neuen Monarchen von Neapels Thron, auf den nochwantendern Thron Spaniens und Indiens, von welchem durch alleKünste, Intrigue und Gewalt, die unglücklichen Bourbons da-mals gerissen worden waren. Joseph erließ am 23. Junius eine.Abschiedsproclamation an das Volk von Neapel, und sanctionirt«