sü6 Julianus
stanz den Verlauf der Dinge: dieser befahl, Julian solle den Kai-ser-Titel ablegen. So sehr nun auch letzterer dies zu thun geneigtwar, so widersetzten sich, abermals die gallischen Legionen. Nunließ Konstanz ein Heer gegen Julian marschiren, und dieser setztesich in Bertheidigungszustand. Julian verläßt Gallien, wo er 5Jahre zugebracht hatte, erobert Sirmium, die Hauptstadt von Jl-lyricn, belagert Aquileja und erfährt den Tod des Kaisers Kon-stanz. Jetzt eilt er durch Thrakien, und kommt am n. Dec. Z6izu Constantinopel an, wo er feierlich zum römischen Kaiser erwähltwird. Nun beschäfftigte er sich mit Verbesserung der Angelegen-heiten des Reichs, schaffte unzählige Misbräuche ab, und schränkteinsbesondere seinen Hofstaat ein. Als er eines Tages einen Bar-bircr verlangt hatte, und sich dieser ihm in glänzender Kleidungdarstellte; so schickte er ihn wieder fort, indem er sagte: „Ichhabe einen Barbirer verlangt, und keinen Senator." Von dentausend Badern, oder Barbirern, die sein Vorgänger gehabt hatte,behielt er nur einen. Und auch das sey noch zu viel, meinte er,für jemanden , der seinen Bart wachsen ließe. Auch die Köche , de,ren Zahl sich eben so hoch belief, als diejenige der Barbirer, schaffteer ab, und behielt nur einen von ihnen. Dasselbe Schicksal traf dieVerschnittenen, die ebenfalls verabschiedet wurden. Auch die soge-nannten ouriosi, welche unter dem Verwände, dem Kaiser nützlicheDinge zu hinterbringen, zu den gefährlichsten Spionen, und zu ei-ner wirklichen Geißel für das gesellschaftliche Leben geworden wa-ren, erhielten nicht minder ihren Abschied. Diese Aufhebung so vie-ler unnützer Bedienungen kam dem Volke zu Nutz: es wurde ihmder fünfte Theil aller Auflagen erlassen. Wenn dieses ganze Ver-fahren «ine menschliche Gesinnung verrieth; so zeigte er nicht min-der in allen Verhältnissen seines öffentlichen und Privatlebens ei-nen wahrhaft großen und edlen Charakter, und wir müssen es unsmit Bedauern versagen, mehrere einzelne Züge desselben, des be-schränkten Raums wegen, nicht anführen zu können. Ob er gleichden heidnischen Gottesdienst in seinem ganzen Glänze wiederher-stellte, und neben sich selbst sogar den Jupiter, der ihm Krone undPurpur überreichte, und den Mars, der ihm Tapferkeit und Be-redsamkeit ertheilte, malen ließ; so verfuhr er doch sehr gelindemit den Christen, und wußte die Reinheit der Sitten, welche-dasChristenthum einflößt, in ihrem ganzen Umfange zu schätzen. Legteer aber nun gleich den Christen, bei Ausübung ihrer Religion,keine Hindernisse in den Weg;'so entzog er dennoch ihren Kirchendie oft ausnehmend großen Reichthümer, und vertheilte sie unterseine Soldaten, versuchte es auch wol dann und wann, wenn er siedurch Schmeicheleien und Wohlthaten zu dem Hcidenthume nicht zu-rückzuführen vermochte, ihnen in Dingen, die jedoch durchaus dieReligion nicht angingen, hinderlich zu seyn. So verbot er ihnen,z. B., vor Gericht als Sachwalter aufzutreten, Gtaats-Aemtcr zubekleiden; ja, die Christen durften nicht einmal öffentliche Lehrerwerden, da er wohl wußte, welche große Hülfsmittel, das Hciden-thum zu bekämpfen, sie in ihren Schriften besitzen müßten. Sowollte er Jesus Prophezeihung, in Betreff des Tempels zu Jerusa-lem, unwahr machen, und erlaubte daher den Juden, diesen, unge-fähr Zoo Jahre nach seiner Zerstörung, wieder aufzubauen. Aber«s sollen, wie man sagt, aus der Tiefe feurige Flammen emporge-stiegen seyn, und mehrere Arbeiter verbrannt haben. So eifrig nun