ägr Jynx
sie Zum Liebeszauber überhaupt aus mancherlei Art. Die Zauberinband, z. B., diesen Vogel an ein viepspeichiges Rad, welches sie mitZaubergesang umdrehte; nach einer andern Sage spannte sie dieausgezogenen Eingeweide des Vogels um das Rad. Ein drittesVerfahren bestand darin, daß dir Zauberin den Vogel an einerwächsernen Rolle über Kohlen zergehen ließ. So soll auch der ma-gische Kreisel, dessen sich die Zauberer bedienten, ebenfall? Jynx ge-heißen haben, weil dieser Vogel, oder doch dessen Gedärm, darübergespannt war. Seitdem die Jynx zum Zauber-Apparate gebrauchtwurde, erfand man auch ihre Abstammung vom Pan oder der Echo.Die bildende Kunst brauchte sie als. Symbol der Ueberredungskünstezur Liebe, und zwar für's erste zur buhlerischen Liebe. So siehtman auf einer Gemme im florentinischen Museum den Vogel Jynxauf einer Säule, um welche sich der kolchische Drache windet; vorderselben steht Jason. Diese Stellung der Jynx wurde fast immer,von den Künstlern beibehalten. Auf einem spätern Kunstwerke, ei-nem Relief, im Besitze des Herzogs von Carasa Noja zu Neapel,soll ausgedrückt werden, wie Paris die Helena bethörte, ihren Ge-mahl zu verlassen und ihm zu-folgen. Man sieht daher auf einerSäule die Göttin Pritho über dem Haupte der Helena sitzend, undihr gefiedertes TLchterletn, den Vogel Jynx, mit der Rechten strei-chelnd. Noch bedeutender gab man auch diesen Wunoervogel Jüng-lingen und Mädchen in die Hand, um den Zauber desselben recht sinn-lich auszudrücken. Auf einem Vasengemälde in der hancarvillischenSammlung erscheint die Jynx zweimal: einmal Über dem Braut-sessel der Brautwerberin, das anderemal auf einer Säule von ei-nem Genius gehalten. Außerdem findet man sie auch fliegend, oderauf Blumen sitzend. Ueberhaupt kommt sie sehr häufig in geschnit-tenen Steinen, und besonders auf alten Basenzeichnungen vor. Inder Folge ward die Bedeutung der Jyux verändert. Was ursprüng-lich bethörenden Liebeszauber bedeutet hatte, das ward nun zum all-gemeinen Symbole für jeden Zauber der Musenkünste, für jedensüßbethörenden Reiz der Dichtkunst und Tonkunst. Man nanntedie Jynx in dieser letzten Bedeutung auch Keledon, und so erscheintsie guf dem Grabmahle des Sophokles Und am Tempel des pythi-schen Apollo. Man verwandelte den Namen Jynx, der nur anverliebte Zauberspiele erinnerte, in Lie Benennung Keledon (Nach-tigall), um den ediern Begriff desto bestimmter auszudrücken. Ue-brigens verrichtete die Jynx ihren Zauber nicht durch Gesang, so»-bern durch die drehende Bewegung des Halses, und durch das wun-derbare Vorstrecken der Zunge. Aus einer Vermischung des Jy»rmit den musikliebenden Acheloiden, oder den jungfräulichen Sirenen,entstand die Wundergestalt der harpyenfüßigen Nachtigallen, wiesie Lycüphron nennt, d. h. die Sirenen mit dem Obertheile einesmusikalischen Mädchens, und dem Untertheile eines Vogels aus demGeschlechte der Spechte. MaN schmolz gleichsam die doppelte Ueber-redungskunst (Pritho) des Gesanges und des körperlichen Liebreizesin ein einziges allegorisches Awittergeschöpf zusammen, das die ver-edelnde Kunst endlich in die reinere Reform eines schönen, auf ei-ner Lyra spielenden Mädchens umschuf, wie man sie noch auf einerVase findet, welche Ardito in seiner Abhandlung (lilu-trnrivim mprir uiitico Vuso trovato noila ruine cki Hoori) freilich etwasseltsam commentirt hat.