Klockenbring 381
den Stand gesetzt wurde, seine Studien mit Eifer und Anstrengungzu vollenden. Nachdem dieß geschehen war, ging er 1767 nach Han-nover zum dortigen Eomwissarius Rehberg, wo er theils als dessenFreund, theils auch als Lehrer von dessen Söhnen war. Nachdemer einige Zeit in diesem Verhältnisse gelebt hatte, ward ihm dieRedaction der hannöverischcn Anzeigen und des damit verbundenenMagazins übertragen, und 177S erhielt er die Stelle eines Stadt-schulz, Stadtvoigt und Colonie-Commiffarius zu Hamcln. Um sichnun zu diesem neuen Amte, in welchem ihm Kenntniß der Manu-facturen und Fabriken nothwendig war, noch geschickter zu machen,unternahm er eine Reise nach der Schweiz, wo er mit Lavater eineenge Freundschaft schloß und sogar zu dessen Physiognomik, zu demdieser damals den Entwurf gemacht hatte, sehr wichtige Beitragelieferte. Lavater selbst versichert, daß er Klockenbringen mehrereder treffendsten Bemerkungen zu verdanken, und daß er an ihm einphysiognomisches Genie entdeckt habe. Im vierten Bande der Phy-siognomik ist Klockenbring auf einer Tafel mit Klopstock, Schmidund Moses Mendelssohn abgebildet. Nachdem er von dieser Reisezurückgekehrt war, suchte und fand er seinen ganzen Ehrgeiz darin,seinem neuen Amte mit der größten Redlichkeit und Gewissenhaftig-keit vorzustehen. Allein es war vom Schicksale beschlossen, daß ernicht lange in dieser Lage bieiben, sondern durch größeres Glückund Widerwärtigkeiten aller Arten geprüft und geläutert werdensollte. Früher hatte er nämlich, vielleicht durch den obenerwähntenLotteriegewinn veranlaßt, eine Geschichte der Lotterieen zu schreibenbegonnen, die freilich nicht erschienen war, aus der er jedoch nach-her mehrere einzelne Bruchstücke und Abhandlungen hatte im han-növerschen Magazin abdrucken lassen. Da nun die Regierung indieser Zeit damit umging, eine neue Lotterie zu errichten; so erhieltKlockenbring den Auftrag, sein Gutachten über diesen Gegenstandzu geben. Er gehorchte und seine Arbeit fand einen solchen Beifall,daß er als geheimer Canzleisecretär bei dem Rcgierungs-Collegiumangesetzt und ihm die Expedition der Lotterie übertragen wurde.Diese neue Stelle trat er 177Z an. Auf einer Reise, die er in An-gelegenheiten der Lotterie nach Berlin machte, lernte er Nicolaikennen und ward Mitarbeiter an der allgemeinen deutschen Biblio-thek, welches er auch mehrere Jahre blieb. 1776 ward er zumgeheimen Canzleisecretär über das Polizei - und Städte-Departementim Calenbergischen ernannt und erhic.t dadurch, außer einem sehrbedeutendem G-Halte, noch das Glück, unmittelbar unter seinemGönner, dem Minister von Gemmingen, zu arbeiten, dessen Wohl-wollen er schon besaß und dessen Zutrauen er bald zu erwerbenwußte. Im I. 1776 erwarb er sich das Verdienst, durch leicht zuübersehende Tabellen eine Berechnung des Bevölkerungszustandcs desLandes zu liefern, für welche rühmliche Arbeit ihm auch der Königm einem besondern Rescripte sein Wohlgefallen zu erkennen gab.Die Einrichtung der Bevöikerungstabellen, so wie sie zuerst vonihm erfunden wurden, sind seitdem beständig beibehalten worden.3 m I. 1737 gab kr unter dem Titel: Aufsätze vermischtenInhalts, einige seiner bereits schon im hrnnöverschen Magazineabgedruckten Abhandlungen heraus, die eine günstige Aufnahme fan-den, und 1789 hatte er die Freude, seinen Borschlag zur Errichtungeiner Industrieschule von der Regierung genehmigt und ausgeführtzu sehen. Die Schule ist noch jetzt vorhanden und im größten Flor.