Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
392
JPEG-Download
 

Zys Klugheit

guson sagt: die Klugheit soll den Menschen lehren, was er sür sichselbst, für seine Freunde, für sein Vaterland und für das mensch,liche Geschlecht wünschen und thun soll. In eingeschränkterer Be-deutung aber bezieht sich die Klugheit insbesondere nur auf diese,Nigen Pflichten, die des Menschen eignen Zustand betreffen. DiesePflichten können füglich unter folgende Hauptabtyeilungen gebrachtwerden: instand, schickliches Betragen, Bescheidenheit, gute Wirth-schaft, Entschlossenheit und Behutsamkeit. Sie heißt insbesondereWeltklugheit, wenn der Mensch die Geschicklichkeit besitzt,durch den Einfluß auf andere seine Absichten zu befördern. Durchsie richtet der Mensch mehr aus, als durch seine Macht, so wiedasjenige, was wir durch Klugheit erlangen, oft mehr werth, odervielmehr höher zu achten ist, als was man durch blindes Glück zuerwerben pflegt. Die Nothwendigkeit dieser Eigenschaft wird nichtallein nach der Wichtigkeit unserer Zwecke bedingt; denn man kannja nicht füglich einen Andern an seiner Statt klug seyn lassen,sondern die Tugend selbst gebietet dieselbe, weil die größte Tu-gend ohne Klugheit verborgen und zwecklos bleibt. Der Weltklug-heit, so wie der Klugheit überhaupt, muß jedoch die sittlicheK l u g-h c i t vorangehen, oder vielmehr zum Grunde liegen. Diese !besteht in der Erkenntniß und Ueberzeugung, daß eine sittliche Ord- >nung vorhanden sey, und daß mit derselben alle Fähigkeiten undKräfte der menschlichen Natur, nebst der Art und Meise, wie dieseselbst und alle übrigen Dinge, auf welche sie Einfluß haben, mitjener verbunden sind, in Beziehung stehen müssen, und daß dazuendlich noch eine Geschicklichkeit und Fähigkeit, alles Andere diesem >höchsten Endzwecke unterzuordnen, erfodert werde. Die Fertigkeit,seine Endzwecke, ohne Hinsicht auf Subordination unter eine sitt-liche Ordnung, geschickt auszuführen, heißt Verschmitztheit,und wenn es unsittliche Zwecke sind, Arglist. Wer ungeschickteMittel braucht, um seine Endzwecke zu erreichen, oder wer, nachKant, solchen Zwecken, die keinen Werth haben, das aufopfert, waseinen Werth hat, heißt ein Thor. Derjenige Theil der Prakti-schen Philosophie, welcher lehrt, was der Wille des Menschen zuthun habe, um die geschicktesten Mittel zu erwählen, seine eigenenEndzwecke zu erreichen, heißt die K l u g h e i t s l eh re. So weitdie Meinungen der angeführten Schriftsteller über den BegriffKlugheit und über deren practische Ausführung. Wir könnenLiesen Artikel nicht schließen, ohne nicht noch etwas über die soze-nannte Weltklugheit hinzuzufügen. Sie wird, wie die Erfahrunglehrt, und wie auch aus der oben angeführten Meinung erhellt, alsdie nothwendigste Eigenschaft des gesellschaftlichen Lebens anem- Ipsohlen und ohne sie kein Glück im bürgerlichen Leben für möglich !

gehalten. Wenn aber.Weltklugheit, nach der bestimmtesten Eror- ljterung dieses Begriffs, einzig und allein in der Fähigkeit besteht, >andere Menschen so geschickt als möglich für die Erreichung seinerEndzwecke zu gebrauchen, so geht daraus schon von selbst hervor,daß eine solche Wcltklugheit aus eigenen Charakter und auf eigeneMeinungen Verzicht leisten und sich stets den Gesinnungen Anderermit Knechtschaft anschließen müsse. Nun aber läßt sich begreifen,wie eine solche Fertigkeit, nie das eigne Ich, sondern stets einefremde, künstlich angenommene Gesinnung zu zeigen , nur ausKosten eigner Charakterfestigkeit, oder gar der Sittlichkeit, erlangcwerden könne. Denn es ist unmöglich, zu denken, daß derjenige,