Klotz Klugheit zyr
inen, und in feinen Lotir litkTk-sriis fällte er sehr beißende Ur-theile, mit Personalitäten verwebt, wodurch er manches MannetEhre und Ruhe kränkte, ob er sich dieß vielleicht selbst nicht ein-bildete; denn als in der allgemeinen Bibliothek auch ihn angrei-fende Urtheile gefällt wurden, sagte er: ,,Nie hatte ich geglaubt,daß eine Recension so wehe thun könnte." Dieses unartige Be-tragen bereitete aber auch ihm und seinen Anhängern den Sturz.Der scharfsinnigste und witzigste seiner Gegner, der seinen Fall ammeisten beschleunigte, war Lessing, an den sich Klotz ebenfallswagte. Dieser schickte, wieHerder, welcher sich ebenfalls zuKlotzensTadlern gesellte, in seinem Aufsatz über Lessing sich ausdruckt, inseinen beiden Bändchen von Briefen antiquarischen In-halts zwei Bären gegen Klotz und seine Brüt. Es sey mir er-laubt, aus diesen Briefen, welche ein Meisterstück von einer witzi-gen Streitschrift sind, eine Stelle anzuführen, die sich darauf be-zieht, daß Klotz Leffingen, welcher sich nie anders als mit seinemeinfachen Namen schrieb, in seinen Recensionen stets mit seinemMagistertitel nannte. ,,Was kann Herr Klotz" sagt Lessing „da-mit, daß er mich, der ich mich nie so nenne, stets Herr MagisterLessing nennt, anders wollen, als mir den Abstand, der zwischenihm als geheimen Rath und mir als Magister Statt findet, rechtfühlbar machen? Allein ziemt es wohl dem Schmetterling, so ver-ächtlich auf die Raupe herabzublicken, aus der er sich büdete?Denn ich wüßte in der Thut nicht, aus welcher andern Ursache ihnsein König zum geheimen Rath gemacht habe, als weil er ihn füreinen guten Magister gehalten. Auch ist es bloß der Magister,mit dem^ich es hier zu thun habe; denn wenn Herr Klotz nichtauch Magister wäre, so wüßte ich nicht, was ich mit dem geheimenRath anfangen sollte; und wehe dem Herrn geheimen Rath, wennihn sein Magister im Stiche läßt!" Klotz war ein feurigerKopf,welcher eine Idee, die sich ihm darbot, schnell auffatzte und weiterausbildete. In der griechischen und lateinischen Sprache hatte ersehr gute Kenntnisse, von neuern Sprachen wußte er so gut alsnichts; allein das Lesen der Quellen des Alterthums war ihm zubeschwerlich, und kostete ihn zu viel Zeit. Bei allen seinen einge-schränkten Kenntnissen in den Alterthümern kam er dennoch aufden Einfall, diese Kenntnisse in einer neuen Einkleidung vorzutra-gen. Im Umgänge war er sehr feurig und einnehmend, aber einveränderlicher Freund; denn er war höchst mißtrauisch. Er starb-777 am Schlüsse seiner Bibliothek der schönen Wissenschaften unddes Zeitungs-Jahrgangs.
Klugheit (in der Moral) machte, nach den alten Philoso-phen, welche die Lugend nach der Anzahl ihrer Bestandtheile ein.zutheilen pflegten, den dritten derselben aus. Sie waren folgende.-Neigung, Gutes thun zu wollen; Geschicklichkei't, es thun zu kön-nen; Fähigkeit, diese Geschicklichkeit zu den besten Endzwecken mitBeharrlichkeit zu gebrauchen; Stärke, das Unternommene auch betSchwierigkeiten und Gefahren durchzusetzen. Der dritte dieserBestandtheile gab den Begriff der Klugheit her. Sie ist die durchUebung erlangte Unterscheidungskrast, durch welche dcrMensch denWerth und die Wichtigkeit seiner Zwecke, so wie die Schicklichkeitder Mittel, die er z» ihrer Erreichung anwendet, richtig beur-theilt. Ohne dieselbe ist der Mensch nicht im Stande, überein-stimmend, standhaft und mit glücklichem Erfolge zu handeln. Fer»