Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
434
JPEG-Download
 

434 Kotzebue Kotzeluch

genug warfen jetzt die französischen Zeitungen Kotzebue und Schlegelin Eine Bercammniß, denn diese beiden poetischen Gegner begegne-ten sich in der Politik. Daß der letztere bedeutender und würdigerauftrat, ist keine Frage. Kotzebue's Mitwirkung hörte auch baldauf, denn als im Frühjahr i 8 r 3 die Franzosen vorwärts drangen,ging er nach Rußland zurück, wo er jedoch nicht aufhörte, durchmanche zum Theil sehr witzige und fatyrische Broschüre in die Stim-mung der Zeit einzuwirken. Für solche Dienste blieb er nicht unbe-lohnt, und kehrte im I. -8-4 als russischer General-Consul in diepreußischen Staaten nach Königsberg zurück, wo er noch jetzt lebt.Man sieht aus dieser ganzen Schilderung, daß Kotzebue in gleichemMaaße ein Mann von ungcmeinen Talenten und ein Schooßkind desGlücks ist. Beinahe möchte ich ihn, um ihn mit zwei Worten zucharakterisiren, den deutschen Voltaire nennen, denn beidehaben sich in denselbigen Fächern versucht, als Dichter, als Philoso-phen , als Historiker, als Kritiker, beide haben dieselbe Leichtigkeitund Fruchtbarkeit, dieselbe Sensibilität und Warme, denselben Geist,Witz und Ton, dieselbe Leichtfertigkeit und Ungenirtheit, so wie den-selben Mangel an Tiefe in der Anlage und Vollendung in der Aus-führung mit einander gemein. Beide haben mit Werken ohne Tiefeund Vollendung ihren Ruhm bei fast allen Nationen ausgebreitet undeinen gränzenden Beifall erlangt, obschon nicht immer den des Ken-ners, und vielleicht nur an Correetheit und Eleganz wird Kotzebue vonVoltaire übertreffen. Führe die Bergleichung aber weiter aus, werLust dazu hat; hier ist der Ort so wenig dazu als zu einer ausführ-lichen Charakteristik dieses beliebten Schriftstellers, der eben so oftüber die Gebühr herabgesetzt als erhoben worden ist. Wenn manSchiller mit Aeschylus und GZthe mit Sophokles vergleicht, so könnteman Kotzebue vielleicht mit Euripides vergleichen, und in der Thathat er viel von dessen Tugenden und Fehlern, so wie er auch in A.W. Schlegel seinen Aristophanes gefunden hat. Mit Recht räumtman ihm ein bedeutendes Talent für das romantische und bürgerlicheDrama, und ein ausgezeichnetes für das Lustspiel und die Posse ein,und niemand kann ihm einen Reichthum an Witz und Scherz abspre-chen , wie wir ihn sonst nicht allzu häufig finden. ää.

Kotzcluch (Leopold), wurde 1792 als kaiserlicher Hofkapell-meister an Mozarts Stelle berufen, und starb am 3 . Febr. 1814-Er war i/SZ zu Wellwarn in Böhmen, nahe bei Prag, geboren,studirte in dieser Stadt die Musik und componirte 1771, im listenJahre, für das dortige Theater ein Ballet, welches einen so allge-meinen Beifall erhielt, daß er deren noch 24 andere, nebst 3 Pan-tomimen setzen mußte. Er verließ darauf Prag und begab sich nachWien, welche Stadt er nachher zu seinem immerwährenden Aufent-haltsorte erwählte. Kotzeluch ist einer unsrer geschätzten Lonkünstler,dessen Kompositionen, besonders seine Werke für das Fortepiano,sich durch Leichtigkeit und Anmuth des Styls, so wie durch gefälligeMelodie und reine Harmonie sehr zu ihrem Vortheile auszeichnen.Diese Eigenschaften lassen es die Dilettanten, für welche er vor-zugsweise zu schreiben scheint, vergessen, daß ihm Tiefe der Kunst,eigentliche geniale Erfindung und kräftige Fülle gänzlich abgehen.Außer einigen Opern, von welchen aber keine öffentlichen Ruf er-halten hat, mehreren Santaten, einzelnen Opern-Arien und mehrerenSinfonien und Jnstrumentalsachen, hat er nahe an 100 Elavier-Werke, theils Concerte, theils Sonaten mit und ohne Begleitung, ge-