476 Kunst
Naturgesetze, »der in seiner Anschauung der Natur gegründet; ab» ^ jh«r verfingt sie mit Bewußtseyn und Willkühr. Von der Wissen, zr
schaft aber ist die Kunst hauptsächlich dadurch verschieden, daß jene st
Erkenntniß der Natur und des Zusammenhanges der Dinge ist, und di
als höchste Wissenschaft (Wissenschaft schlechthin, oder Philosophie) d>
die nothwendigen Gesetze des Denkens und Seyns aufsucht, und st
über di-r Erscheinung hinausgehend, den Grund der Erscheinungen E
und ihren Zusammenhang zu erforschen strebt. Die Wissenschaft v>
also beruht auf dem Wissen, oder besteht in dessen Ausbildung, und d
ist mithin auf die theoretische Thätigkeit des Geistes gegründet. rn
Die Kunst hat es zu thun mit etwas, das weder selbst ein Wissen > gist, nach blos oder unmittelbar durch das Wissen um einen Gegen- d«
stand (ohne Fertigkeit und Kraftübung) hervorgebracht werden kann, bi
obgleich es auch nicht ohne alles Bewußtseyn und ohne Anwendung li
des Verstandes hervorzubringen möglich ist. Darum war es falsch, d>
wenn man sonst einige schöne Künste, z. B. die Poesie, weil sie die ft
geistigste ist, und sich, wie die Wissenschaft, zu ihrem Darstellungs- g
Mittel der Sprache bedient, schöne Wissenschaften nannte. ft
Dadurch aber sind Wissenschaft und Kunst wiederum verbunden, o
daß letztere, wie eben angedeutet wurde, eine Art der Erkenntniß I
überhaupt (Wissenschaft im weitesten Sinne) bei aller Kunstübung 8
voraussetzt, daß ferner auch die Wissenschaft, als Product und Nie- d
sultat der ausgebildeten Erkenntniß gedacht, eine gewisse Fertigkeit g
oder Geschicklichkcit (Kunst im weiter» Sinne), den Zusammenhang h
der Gedanken nach Ideen zu leiten und zweckmäßig anzuordnen er- b
fordert, daß endlich auch die Wissenschaft, in so fern sie sich in ü
selbstständigen. und von dem Innern, worin sie erzeugt worden, gabsondernden Werken darzustellen und mitzutheilen strebt, in diesen ßDarstellungen Kunst ist, wenn gleich diese Kunstform nicht die Form d
der schönen Kunst ist, der sie sich jedoch in verschiedenen Darstel- (
lungcn mehr oder weniger annähern darf. Denn die Kunst äußert il
sich vorzüglich als die vom Geiste ausgehende Fertigkeit, in irgend ei
rinem Gebiete etwas sclbststandiges hervorzubringen, oder für an- g
dere darzustellen. Wiederum wird auch die Kunst durch Wissen- b
schaft erkannt und in ihren Werken beurtheilt. Daher die Kunst- d
Philosophie und alle Theorie der Künste. Wir sprechen dieß d
Verhältniß in der Kürze also aus:. Die Kunst ist, ihrem Wesen fi
nach, Darstellung, sie will etwas Inneres zur Erscheinung d
bringen, und nicht das Wissen ist bei ihr die Hauptsache, sondern n
das äußerlich Hervorgebrachte ; die Wissenschaft weilt im Kreise bei n
Allgemeinen, der Gesetze und des Zusammenhangs der Dinge, bei n
ihr ist die Darstellung nicht die Hauptsache, sondern das Bewußt- n
werden geistiger Wahrheiten durch Begriffe und deren Verbindun- n
gen. Wollen wir aber das Wesen der Kunst genauer betrachten,so müssen wir auf das Bedürfniß zurückgehen, welches den Menschenüberhaupt antreibt, durch Bearbeitung des von der Natur empfan- Z
genen Stoffs, und Umbildung vorhandener Formen, Veränderen- ß
gen in der Erschcinungswelt hervorzubringen, und die Natur M §
feinen Zwecken zu behandeln. Das Bedürfniß, welches ihn hierzu ß
treibt, ist die Wahrnehmung oder das Gefühl, daß die einzelne" si
Umgebungen und Erscheinungen der Natur und des Menschenlebens, ei
mit den ihm eigenthümlichen, oder mit andern gemeinschaftliche" o
Zwecken, nicht immer übereinstimmen. In wiefern er nun theus -i
den Drang, zu wirken, lebhaft in sich fühlt, theils die Natur nah r<