Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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. Kupferstecherkunft 493

j Kupferstecherkunst ist die Kunst, durch Striche undKun- Puncte die Formen, Lichter und Schatten von Gegenstände» in

vurdt! Kupfer darzustellen, welche Darstellungen dann vermittelst des

i und ^ Drucks vervielfältigt werden. Der Kupferstecher verhält sich zu

esaiiz l dem Maler, wie ein Uebersetzer zu seinem Autor; so wie es aber

Praz unmöglich ist, eine gute Ucbersetzung von einem geistvollen ProductBc- ! zu liefern, ohne selbst Geist zu haben Und die Kunst der Composi-für ! tion in ihren feinsten Theilen zu verstehen; so wird auch von einem(da- guten Kupferstecher erfordert, daß er in die Geheimnisse der Zei-nischk cheilkilnst eingeweiht sey, damit er nicht kalte, leere Darstellungen

e dü. der bloßen Formen, Lichter und Schatten seines Gemähldes, son-

Na- der» in dem eigenthümlichen Geiste seines Originals Darstellungen9 per, liefere, in welchen der Charakter der Gegenstände frei und leichtSchul- aufgefaßt, das rauhe, glänzende oder matte Gewand derselben wie-z für dergegebe» und zugleich die eigenthümliche Farbe derselben ange-

isch), deutet werde. Bedenkt man, daß der Kupferstecher zu diesem allen

isch). kein Mittel hat als Puncte und Striche, so wird man gewiß kei-e zur > neu Augenblick anstehen, dem Talent eines guten Kupferstechers79-; ^ die ehrenvolle Gerechtigkeit wiedersahren zu lassen, die dasselbe ve»in"; dient. Es ist zu gleicher Zeit sonderbar und zu bedauern, daß die

Griechen gar nicht auf den Kupferstich sielen, da sie doch die Kunstehört in Edelsteine zu schneiden kannten, auch sogar Siegel hatten, die

, ist sie in Wachs abdruckten; wir würden dadurch mehrere Meisterstücke

und der Malerei von den größten Künstlern des Alterthums aufbe-

niger wahrt erhalten haben. Diese Kuuft wurde in Europa erst in der

ähiz- zweiten Hälfte des i 5 . Jahrhunderts erfunden; die Chineser sollen

ich!« dieselbe lange vorher gekannt haben. Unter den europäischenSil- Böllern streiten die Deutschen, die Italiener and die Holländer um

HM diese Erfindung; jedoch scheint bis jetzt die Sache für die Deutschen

inziz entschieden zu seyn. Der erste namhafte Kupferstecher ist ein Deut-sseri scher, Martin Schön (gestorben ums Jahr 1486); man hat noch

nur viele Blätter von ihm. Aber es giebt noch eine Menge anderer

einer Kupferstiche, welche zwar ohne Jahrszahl und Namen, aber dochl sich alter als Schöns Blätter zu seyn scheinen. Die Kupferstecherkunstdat entwickelte sich unstreitig aus dem Formschneiden, und die erstenilor; Abdrücke sind wahrscheinlich von Arbeiten der Goldschmiede und

dem Silberstecher gemacht worden. Bon eigentlichen Kupferstichen ist

nefb tue Arbeit mit dem Grabstichel die älteste; die andern Methoden

cop- »der Manieren der Kupferstecherkunst sind erst nachher erfunden

indkt worden. Ich werde die vorzüglichsten dieser Manieren anführen,

mig. und zwar in der Ordnung, wie sie nach und nach aufgekommen

» c tvobei ich jedoch bemerken muß, daß man oft mehrere die-nn» >er Manieren mit einander zu verbinden pflegt. — I. Das

dt" Kupfer stechen mit dem Grabstichel, oder die Kupserstecher-

,edec rnnst im engeren Sinne des Worts. Man zeichnet die Umrisse und

eitiz Allmen seines Stoss« mit einer spitzen Nadel, welche die kalte

Is.ssssst genannt wird, in das Kupfer, und schneidet nachher vcr-,fer- Autelst des Grab-Stichels mehr oder weniger große und tiefewelche Furchen Taillen (Schraffirungen) genanntDiese Manier ist der größten Nettigkeit und Präcision fä-^ U',.?uch ist sie die schwerste unter allen. So wie aber alle mit-

Ty- «mäßige Arbeit hierin sehr unangenehm ausfällt, so ist auch dieRegelmäßigkeit und Scharfe des Strichs in derselben nichtalle Dinge in der Natur passend. Bause, Bloemaert,