Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Lächerlich Z>y

terzüge, Angewohnheiten, erworbene Gesichtsmienen, Arten des Tra-gens des Körpers, erscheinen uns nur lächerlich, wiefern sie mittel-bar durch die Freiheit da sind. Das Lächerliche wird demnach, alsProduct der Freiheit, demjenigen, an dem es sich findet, zugerech-net. Schon hieraus crgiebt sich unter Menschen von dieser Art ästhe-tischer Gefühle, und denen der vorigen Arten, ein bedeutender Un-terschied. Wenn jenen Stille und Ruhe zusagt, wenn sie die Ein-samkeit lieben und suchen, weil sie theils nur sich zum Gesellschaf-ter brauchen, theils auch Befriedigung bei der Natur finden; so istGesellschaft hergeaen das ausschließliche Element von diesen,den» nur hier können sie lachen und Lachen erregen, weil hier nurdie Sphäre des Lächerlichen ist. Davon wird man aber bald un-terscheiden ein Lächerliches in der Gesinnung und in der Handlung.Wiefern sich das Lächerliche in Handlungen zeigt, oder in den Ge-sinnungen sinnlich ausdrückt, also in Handlung übergeht, heißt eskomisch, welches (mehr moralisch als ästhetisch richtig) in dasEdel- und Niedrig-Komische eingetheilt wird. Das Poffirliche, Drol-lige, Schnacksche, Schnurrige, der Schwank, das Burleske und Gro-teske, sind Arten des Komischen. Die Darstellung des Lächerlichenfällt mithin ganz allein in das Gebiet des Komikers, welches mansich nur nicht auf die Komödie, das Lustspiel, eingeschränkt denkendarf; denn die dramatische Art der Darstellung des Komischen istja nicht die einzige. Daß sich das Komische auch episch darstellenlasse, bezeugen die komischen Epopöen, Erzählungen, Novellen undRomane; daß es sich didaktisch darstellen lasse, die Sinngedichte,Episteln, und eine gewisse Art der Satyren, z. B. von Horaz undRabcner, die aber keine Satyren sind; daß es sich lyrisch darstellenlasse, die Parodiern, Travcstirungen u. a., vor allen aber die humo-ristischen Werke. Der Spielarten will ich gar nicht gedenken. DerUnterschied liegt nur darin, daß in der einen Form mehr das Lä-cherliche der Gesinnung, in der andern der Handlung, in der drittendes Gefühls sich ausdrücken läßt. Danach sind denn auch die Wir-kungen verschieden. Bei gewissen Arten des KomWen interessirtuns der Witz, der sich in den Handlungen des Thoren zeigt, beiandern ein gewisser Anstrich von Naivetät. Eine reiche Quelle desLächerlichen eröffnet der Contrast, auf welchem z. B. alle Wirkungdes Sinngedichts, das ich vom Epigramme unterscheide, und jederironischen Darstellung beruht. Ja man kann in gewisser Hinsicht' sogar behaupten, daß alles Lächerliche auf einem Contrast beruhe,denn das Gefühl des Lächerlichen entspringt aus dem unerwartetenContraste der Ungereimtheit gegen die Vernunft und Wahrheit, ei-nes Mißverhältnisses zwischen Ursache und Wirkung, Grund undFolge, Mittel und Zweck- In den Fällen, wo es durch die Naive-tät der Gesinnung bewirkt wird, und durch den Contrast zwischender Darstellung und ihrem Urheber einen neuen Reiz erhält, entstehtdas eigne Gefühl eines mit Rührung gemischten Lächerlichen undKomischen. Durch den idealisirenden Humor entsteht sogar ein wah-rer tragikomischer Pathos, wenn die Verkehrtheit der Welt, wie sieist, komisch in der-Idealität sich spiegelt. In diesem komische» Con-traste erscheint, wie Bouterweck sehr richtig bemerkt, die menschlicheNatur so klein, daß sich das Lachen in ein inniges Mitleid und zu-U«ch »! eine schmerzliche Weltverachtung auflöset, deren tragikomi-sche Kraft bis zum Schauderhaften ausgeführt ist im Charakterdes ^ean-Paulschen Schoppe. Uebrigens ist vielleicht die Bemer-