Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
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Zi8 Lächerlich

stand. Ich würde ein eigenes Buch schreiben müssen, wenn ich zei-gen wollte, zu welchen Verirrungen und Verwirrungen nur allemdiese doppelte Bedeutung veranlaßt hat, und begnüge mich daherzu bemerken, daß man dadurch verhindert wurde, die Grenzstreitig-kerten zwischen dem Komischen und Satyrischen beizulegen, und de»reinen Gegensatz des Komischen und Tragischen zu finden. Weitrichtiger sahen die, welche unter Belachenswerthem, Belachlichmund dem Lächerlichen unterschieden, und dieses, als eine Art, senem,als der Gattung, unterordneten. Aber auch der Ausdruck bela-che ns werth dürfte noch nicht der angemessenste seyn, weil die-ses wenigstens in unserer Sprache von dem Verla ch ens wer-then nicht gänzlich unterschieden ist, und weil die Verwandtschaftmit dem Schönen, auf die es am Ende doch ankommt, nicht sogleicheinleuchtet. Genauere Untersuchung zeigt uns, daß wir von demreizenden Schönen auszugehen haben, welches unmittelbar an-genehme Empfindungen und jene Art desFrohseyns bewirkt, die sichdurch den Ausdruck des Lächelns im Gesichte ankündigt. Das Lächelnist unstreitig die feinste Art, mit welcher das erfreuliche Gefühlsich im Gesichte malt. Dieses wird nur von einem solchen ästheti-schen Gefühle bewirkt, das mit dem Gefühle für das Jdealschineäußerst nahe verwandt ist. Seelen volles Leben und alles,was ein solches ausdrückt, ist die Ursache des Lächelns. Die Na-türlichkeit an den Personen einer idyllischen Unschuldswelt, Naive-tät, Schalkhaftigkeit, Munterkeit, süße Neckerei, unschuldiger Muth-wille, frohe Laune, artiger Scherz, munterer, nicht beleidigenderWitz, feiner, unschädlicher Spott, Ironie-, alle diese Eigenschaften,über die eine Art Liebreiz ausgegasten ist, d. h. die uns fast ni-thigen, sie liebzugewinnen, bewirken ein Lächeln, da sie alle unsereGemüthskräfte in das lieblichste Spiel setzen. Aber freilich bewir-ken sie es nicht bei allen , sondern nur wo Empfänglichkeit für sievorhanden ist. Nur gebildete, zartere Seelen sind dieses Genussesfähig. Der nur weiß zu lächeln, der die Grazien kennt, die Göt-tinnen der sittlichen Anmuth. Je unschuldiger, reiner und zartereine Seele ist, um so mehr wird dieser Geschmack bei ihr herrschen.Die Stimmung der Seele bei solchen Gefühlen ist Heiterkeit,welche nur aus einem Wohlgefallen an unschuldigen Vorstellungen,die die Einbildungskraft verschönerte, entspringt, und jenes anmu-thige Lächeln ist in so fern ein Verdienst, als es auf ein gebilde-tes Herz schließen läßt, worin sich Reinheit und Wohlwollen verei-nigen. Personen dieser Art bemächtigen sich daher leicht unseresZutrauens und unserer Freundschaft, denn sie sind liebenswür-dig. Frauen mit diesem Ausdruck der Seele im Gesichte, nenntman Holdselige, Huldinnen. Unmuthig, holdselig, liebens-würdig ist nur die Unschuld. Bon dem Lächeln der Grazie kommenwir zu dem Lachen der Fröhlichkeit und dem Gelächter, welches Ge-schmack an dem Lächerlichen voraussetzt. Fröhliche Menschen suchengern alles auf, was Lachen erregen kann, das Lächerliche. Der Ge-genstand der angenehmen Empfindung, die das Lächerliche bewirkt,ist allezeit etwas Widersinniges, Zweck- und VerhältnißwidrigeS,welches wir an einer Person bemerken, und als eine Wirkung ihrerFreiheit betrachten. Ursprünglich findet sich also das Lächerliche nuram Menschen, aber auch bei diesem lacht man nicht über Eigenthüm-lichkeiten, welche er durch die Natur bekam, wenn man stemmdurch eine Täuschung als frei erworben denkt. Bleibende Charar