Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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556 Landschaft

das zwischen dem Luge nnd dem Gegenstände befindliche Blau derLust sanft verschmilzt. Bon der Jahreszeit, der Tageszeit, dertrocknen oder feuchten Luft, hängt die Mannichfaltizkeit dieser Tin-ten ab. Licht und Schatten über das Ganze, und die Theile gehö-rig vertheilt, vollenden den Eindruck. Bei den Seeen hat manRücksicht zu nehmen auf ihre Begranzung, Inseln, die sich darinbilden, und die verschiedenen Erscheinungen auf ihrer Oberfläche,die zum Theil von Himmel und der Lust abhängen. Macht nun derBerg den Hintergrund, der See mit seinen Bciwcrken den Mit.telgvund, so fehlt jetzt nur der Vorgrund noch, und diesen bildendie noch weiter angegebenen Stoffe. Mag nun die Aussicht in eineweite Ferne, oder in eine einsame geschlossene Gegend gehen, stwirkt, wenn das Einzelne zum Ganzen sich vereinigt, der Anblickein« solchen erhabenen oder anmuthigen, ernsten oder heitern, ru,higeu oder bewegten Raturscene ästhetisch auf das Gemüth. Seit-dem die der christlichen Zeit eigene Sentimentalität den Menschennäher mit der Natur befreundete, fing darum auch die schöne Kunstan, durch solche Naturbetrachtung ihr Gebiet zu erweitern, und esentstand die Landschaftsmalerei. Wie diese sich ausgebildethatte, nannte man wohl auch das Landschaftsgemalde eine Land-schaft. Solch eine Landschaft ist entweder treu der Wirklichkeitnachgebildet, Prospectmalerei, oder dichterisch erfunden, Dar-stellung idealer Naturscenen. Welches von beiden sie sey,so ist sie in jedem Fall an die Bedingungen gebunden, ohne welcheste der Wahrheit und des Effects ermangeln würde, und dahin ge-hören denn zunächst Beobachtung der Perspektive und alle: der Ei-genschaften, welche an den Gegenständen der Gesichtssinn untermannichsaltigen Modifikationen wahrnimmt. Iu diesen muß im»die Abstufung der Nähe und Ferne, nicht blos in mathematischerProportion, sondern auch in malerischer Wirkung rechnen, also diegegenseitigen Verhältnisse des Vorder-, Mittel- und Hintergrundes.Der herrschende Charakter der Ferne ist Weichheit, der des Ber-grundes hergegen besteht in Kraft und Reichthum. Kraft entstehtaus dem starken Kontraste der Farbengebung', des Schattens unddes Lichts, Reichthum in der Mannichfaltigkeit der Paktiern undder warmen Tinten. In gewissem Grade findet Reichthum auch inder Ferne statt, doch nie mit Kraft vereinigt; denn obgleich in derFerne die Lichter stark und die Partiten mannichfaltig seyn können,so werden doch die Schatten und Tinten immer gedämpft und sanftseyn. So stark aber auch dieser Contrast im Borgrunde ist, stmuß er doch den herrschenden Massen des Lichts und Schattens undder Farbengebung allezeit untergeordnet seyn, denn diese bringenHarmonie ins Ganze, deren Wirkung Masse und Ruhe, das Ge-gentheil Zerstreuung und Verwirrung ist. Auf solche Weise isi dasTechnische oder Practische des Landschaftgemäldes, das Pittoreskeoder Malerische, bedingt. Dieß kann aber auf einen hohen Gradder Vollkommenheit erreicht seyn, ohne daß die Landschaft dadurchim eigentlichen Sinne ästhetisch geworden wäre. Soll es dieseswerden, so muß es so erfunden, angeordnet und ausgeführt sey",daß durch Darstellung idealer Naturscenen eine ästhetische Stim-mung bewirkt wird. Um diesen Zweck zu erreichen, muß die darge-stellte Naturscene einen bestimmten ästhetischen Charakter habe"-und in irgend einer das Gemüth ansprechenden Situation erscheins"-Die Werke der Landschastmalerei lassen fich verschiedentlich classin-