Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Leben Siz

wir Bewegung an ihr sehen, oder solche Zeichen wahrnehmen, daßwir auf das Vermögen der Bewegung, innerlich oder äußerlichschließen können, halten wir sie für belebt. Es giebt aber ver-schiedene Stufendes Lebens. Von der Pflanze sagen wir auch -sie lebt; hier beschränkt sich die Bewegung bloß auf das Innereder Pflanzen, so viel zurErhaltung, Ernährung und zum Durchlau-fen ihrer Perioden des Wachsthum nöthig ist; dieß ist das bloßvegetative Leben. Es ist im Thier auch vorhanden, dieses ist aberauch mit einem höhern begabt; das thierische Leben bedingt frei,willige Bewegung seiner äußern Theile und Ortsveränderung au«ßer sich. I« höher der Grad des Lebens, desto vollkommnerer Or-ganisation bedarf es. Das Leben des Polypen z. B. entfernt sichkaum von dem Pflanzcnleben, er hat die einfachste Organisation,dagegen das Leben der vollkommenen Thiere eine weit mannichfal-tigere und zusammengesetztere Organisation erfordert. Aus den Er-scheinungen des Lebens können wir wol einen Begriff desselben ab-ziehen , allein in das Innere desselben können wir nicht eindrin-gen. Die Idee des Lebens selbst kann nur ergriffen, nicht be-griffen werden. Jedes individuelle Leben ist nur der Ausfluß desallgemeinen, ewigen und höchsten Lebens, eine endliche Abstufungund Darstellung desselben nach unzählig mannichfachen Graden.Lebenskraft ist die den Erscheinungen des organischen Lebenszum Grunde liegende innere Ursache desselben. Ob es ein feinermaterieller Stoff, ein subtiles flüssiges Wesen, oder ob sie bloßdas Product dcrOrganisation und dessen Mechanismus ist, darübersind die Meinungen verschieden. Indessen ist gewiß, daß, wo wirLeben bemerken, eine bestimmte Organisation vorhanden ist, welchedurch ein inneres Agens in Bewegung und Thätigkeit gesetzt wird,daß ferner das Leben vernichtet ist, sobald die Organisation zurAusübung ihrer Verrichtungen untauglich ist, oder das innereAgens fehlt- Dieses Agens nun mögen wir mit Hufeland Lebens-kraft, oder mit andern Lebensgeist, oder Lebensstoff, oder mit v,Helmont Lrchäus, mit Stahl die Seele, mit Brown die Erregbar-keit, mit Mesmer das allgemeine magnetische Fluidum, oder mitandern noch anders nennen, so können wir doch nur die Aeußerun-gen desselben, die Bedingung ihrer Aeußerungen und die Gesetzederselben kennen lernen. Das eigentliche Agens des Lebens, alsinnersten Lebensreiz genommen, welcher die mannichfachen Bewe-gungen des feinsten Organismus erregt und erhält, nennen wir ei-gentlich das L e b en s p rin c i p. Dieses muß das feinste unddurchdringendste Fluidum der Natur seyn, das wir nur mit demAether, der elektrischen, magnetischen, und Lichtmaterie vergleichenkönnen. Zu gewissen Theilen des Organismus scheint sie besonder«Verwandtschaft zu haben, besonders im thierischen Körper zu denNerven, von denen sie zu den übrigen Theilen des Körpers gelei-tet wird. Sie kann in einem Körper angehäuft werden, kann infreiem, einige Zeit aber auch in einem gebundenen Zustande erschei-nen. Das Lebensprincip giebt der thierischen Faser die Eigen-schaft, sich zusammenzuziehen und auszudehnen (Contractilität),und entzieht sie zum Theil den allgemeinen physischen und chemi-schen Gesetzen der unorganischen Natur, daher in einem belebtenKörper kein bloß mechanischer und chemischer Proceß existirt. DasLebensPrincip kann durch gewisse ihm entgegengesetzte Einwirkun-gen geschwächt, durch andere verstärkt werden.- Unter »ie seindli-