Leda keedr Ük7
heit selbst konnte sich noch immer mit der Urkunde schützen, die Be-deutung des Bildes nicht zu verstehen, während jedoch der lüsterneSinn des Mädchens das höchste Wohlgefallen an der Darstellungdesselben fand. Aber auch die Ausführung selbst gewährte demKünstler selbst eine große Mannichfaltigkeit, welche daher dem Ge-nie desselben sehr willkommen seyn mußte. Bald konnte sich näm-lich Leda ernstlich gegen die Zudringlichkeiten des Schwans verthei-digen, bald nur scheinbaren Widerstand thun, bald konnte derSchwan die Leda durch die Luft tragen, bald bloß daneben stehendoder schmeichelnd, bald im Augenblicke der ungestümen Annäherung,bald im Triumphe selbst abgebildet seyn. Da der Schwan auchzu den ediern Thieren gehörte, so konnte eben deswegen diese Ver-wandlung Jupiters so oft zum Gegenstände der Darstellung ge-wählt werden. Andere Verwandlungen Jupiters in Stiere, Pferde,Schlangen u. s. w. bei den Begattungen mit sterblichen Mädchen,wären kein edler Gegenstand der Kunst gewesen, und wurden da-her von den Künstlern verworfen. Bei vielen Künstlern waren esgewiß diese Gründe, welche dazu beitrugen, die Vorstellungen sosehr zu vervielfältigen. Aber daß es nicht die einzigen Ursachenwaren, sieht man daraus, daß gerade viele dieser Leda-Gemmendie schlüpfrigsten Darstellungen enthalten, welche man sehen kann.Da nämlich Alles dem Mißbrauche unterworfen ist, so artete nunauch die allegorische Darstellung dieser Mythe in eine gemeine phy-sische Andeutung derselben aus. In der That wurden in den Gy-necäen (Frauenzimmergemächern) der asiatischen, lesbischen und io-nischen Weiber sehr häufig Gänse und Schwäne von diesen zumphysischen Genusse gemißbraucht, so wie denn auch noch jetzt dieitalienischen Damen sich diese« Mittels zur Befriedigung ihrer Lei-denschaft nicht selten bedienen sollen. Es ist uns vollkommen be-greiflich, daß jene bloß formelle und allegorische Darstellung dersinnlichen Genusses, so wie ihn die griechischen Künstler durch Ab-bildung des Schwans im Schooße der Leda darzustellen suchten,nach und nach zur gröbern Versinnlichung jenes Begriffes Veran-lassung gegeben und endlich in die rein materielle Darstellung be-sinnlichen Genusses ausgeartet sey.
Leder, s. Gerberei.
Lee (Lei, das) bedeutet in der Schiffersprache das Schiffoder Land, oder irgend einen Gegenstand, welcher unter dem Windeliegt, d. h. welcher vom Winde abgewandt ist. So sagt man: dasfeindliche Schiff lag unter unserm Lee; wir befanden uns unterdem Lee von Bornholm.
Leeds, die bekannte Hauptstadt des Tuchdistrict« in derWest-Riding von Vorkshire, liegt am Flusse Aire und steht durchdie inländische Schiffahrt in der vortheilhaftesten Verbindung mitden vornehmsten Plätzen und Häfen von Großbritannien. Erst inneuern Zeiten hat sie sich zu ihrer gegenwärtigen Größe und Wich-tigkeit gebildet. Die Bevölkerung, welche noch stets zugenommenhat, betrug 1801 über 53,c>c>o Einwohner. Die Stadt ist für denDistrict der große Markt für das breite feine Tuch (Lroaä-clorli),welches die Weber, theils weiß, theils schon in der Wolle gefärbt,und zwar in großen Borräthen dahin bringen. Für beide ArtTuchex giebt es dort große Hallen: die Weiffetuch-Halle (bVinlsriorll NsU) ist ei» großes, viereckiges, in fünf Straßen abgetheil-tes und über r,oo Stände enthaltendes Gebäude; die Gefärbtetuch,