Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Legats Legende 6iy

Nuntien und werden nur aus dem Eardinals-Eollegio genommen.Die Sendung solcher Legaten hat wegen Beschränkung der päpstli-chen Macht in neuern Zeiten nur selten Statt gefunden. L.

Legat», s. Bepuncten.

Legende (L-eKsnäs) der Titel eines Buchs, welches die täg-lichen Lectionen enthielt, die beim Gottesdienste in der alten rö-misch-katholischen Kirche vorgelesen zu werden pflegten. Dannwurden vorzüglich die Lebensbeschreibungen und Geschichten vonden wunderbaren Schicksalen der Heiligen und Märtyrer, und ganzeSammlungen derselben Legenden genannt, weil man aus diesenebenfalls in den Metten und in den Speisesalen der Klöster Ca-pitel vorlas, und sie zur Unterstützung des römisch-katholischenGlaubens zu lesen ernstlich anempfahl. Auch die römischen Bre,viarien enthalten viele Geschichten von Heiligen und Märtyrern,welche an den Namenstagen derselben gelesen werden sollen. Indem Mittelalter war eine Sammlung solcher Heiligengeschichten,unter dem Namen I-sAsriärr Lsiictorirm oder lrirtorin Hombsr-llion bekannt. Vorzüglich berühmt war die sogenannte goldneLegende (niire-r IsAenän), deren Verf. ilnvobus äs Voragins('s als Erzbischoff zu Genua -agg) ist. Aber auch diejenigen Hei-ligengeschichten, welche bloß Ueberlieferung blieben, wurden Legen-den genannt. Da die Heiligengeschichten oft allen Glauben über-stiegen, und nur als fromme Erdichtungen angesehen werden konn-ten, so wurde der Name der Legende von Ungläubigen bald jedemMLHrchen ähnlicher Art, jeder erdichteten Erzählung, die den Glau-ben stark rn Anspruch nimmt, gegeben. Valsrius Kuxusnnns,Bischofs von Verona (blühte im i6. Jahrh.) erzählt (in seinemBuche äs riistoriss Ciiriütisua) eine Ursache der zahlreichen Le-gendenfabeln, welche durch die ganze Welt verbreitet worden, seydie in mehrern Klöstern herrschende Gewohnheit gewesen, die Re-ligiösen m lateinischen Umschreibungen und Ausarbeitungen überBegebenheiten aus dem Leben der Heiligen zu üben, wobei sie dieFreiheit hatten, die Tyrannen und verfolgten Heiligen auf die ih-nen wahrscheinlichste Weise sprechen und handeln zu lassen. Soentstanden Ausschmückungen der Geschichte, von welchen man diegelungensten aufbewahrte, die nachher in Klöstern wieder aufge-funden und mit den wahren Geschichten vermischt worden sind. Ohnun gleich unter der Masse der Legenden viele gehaltlose, abge-schmackte Sagen und leere Fiktionen, aus kindischem Wunderglau-ben erzeugt, oder füp denselben berechnet, zu finden sind, so giebtes doch unter ihnen auch eine große Menge poetischer und erheben-der Sagen; daher viele und große Dichter sich mit derBearbeitungdieser oft nur rohen Stoffe beschäfftigt haben, ja man nennt daherjede (auch frei erfundene) poetische Erzählung im Tone der kirch-lich-alterthümlichen Sage (sie möge versiflcirt seyn oder nicht), eineLegende. Wir besitzen deren einige von Göthe, A. W. Schlegelu- a. Einige haben dieselbe auch scherzhaft und komisch behandelt,z. B. Pfeffel und Langbein. Ein Haupterforderniß der ernstenLegende ist das Wunderbare, welches aber religiöser Art seyn, odersich auf einen Gegenstand der kirchlichen Tradition beziehen muß,ohne ins Kindische zu verfallen. Sie ist daher ein Product derchristlichen Zeit, und wie die kirchliche Sage von der Mythe ver-schieden. Eigenthümlich ist ihr der schlichte, einfältige Kon, dendie stille und sanftere Begeisterung des frommen, gläubigen Hex-