Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
628
JPEG-Download
 

6r8 Lchrbcgnff Lehrgedicht

in andern Staaten aber, wo die Lehnsverhältnissc unter den Un> , die lterthanen noch bestehen, gewiß mit größerer Vorsicht, und, >»a soder

möglich, stets auf dem Wege billiger und zwangloser Loskaufung tern

vorgenommen werden müssen, damit nicht, wie so oft, um den siebe

Ideen einiger Spekulanten über allgemeines Recht zu genügen, xoei

die Gerechtigkeit selbst mit Füßen getreten werde. I,. Der!

Lehrbegriff, der, ist die entweder einer kirchlichen Gc- undsellschaft, oder auch einem einzelnen Lehrer eigenthümliche Ansicht aber

von den Wahrheiten des christlichen Glaubens. So giebt es ei- aus

nen evangelischen, eine» katholischen, einen socinianischen Lehrbe- kinr

griff; so redet man von einem Lehrgriffe des Origenes, des Atha- delt

nasius, des Augustin. Die philosophischen Schulen, oder einzelnen , demPhilosophen eigenthümlichsten Ansichten pflegt man nicht Lehrbe- ^ schigriffe, sondern Systeme zu nennen. E. , die

Lehrgedicht, so nennt man insbesondere eine größere und nich

ausgeführtere Dichtung didaccischer Art. Aber es ist überhaupt Pa

noch streitig, in wiefern eine didactische oder Lehrpoesie als be- gri

sondere Dichtungsart aufgeführt, mit dem Begriffe und Wesen geh,

der Dichtkunst bestehen kann. Soll nämlich ein Gedicht den Zweck und

zu lehren verfolgen, und auf diesem bestimmten Zwecke sein We- der

sen beruhen: so kann damit die reine und freie Begeisterung Uns

und der absolute Zweck der Poesie nicht bestehen; ja das Werk hör

muß zu einem Produkte der Reflexion werden, das höchstens mit gen

dem äußern Schimmer der Poesie ausgeschmückt ist.. Soll aber in lem

dieser Tendenz das Wesen des didactischen Gedichts nicht beruhen, Pn

wie einige mildernd sagen: so ist mehr oder weniger jedes Gedicht ein

didaktisch zu nennen, und es kann somit keine besondere didacti- für

sche Dichtungsart geben, die mit Recht diesen Namen führte. Bl

Will man jedoch einzelne Gedichte mit einigem Rechte didaktisch Po

nennen: so würden dieses diejenigen seyn, bei welchen entweder schi

überhaupt eine Tendenz zu lehren hie und da hervortritt; sie kön- aus

nen übrigens epische (wie viele Romane) oder dramatische Form jed

haben (wie z. B. Lessings Nathan) oder solche, die weder einen bei

epischen noch dramatischen Stoff zum Grunde liegen haben, son- ein

dern gewisse Wahrheiten in dem Spiegel der poetischen Begeiste- un

rung aufgefaßt, in Allegorieei,, Visionen rc. darstellen, mithin ih- au

rem Wesen nach durchaus lyrisch seyn. Hieher gehören viele ll>- di!

rische Gedichte von Schiller, namentlich die Glocke, die Hoffnung zw

u. a., obgleich sie die Ueberschrift: didaktisches Gedicht, nicht tra- no

gen, und alle bessere s. g. Lehrgedichte; hieher würde selbst Dan- tu

te's großes, allegorisches Gedicht gehören. Im ersten Falle würde ni

die Benennung einen Tadel in sich schließen. Die Gedichte letzte- eil

rer Art sind die ältesten der Poesie, wie die Gnomen beweisen; st<

das Entstehen und die Ausbildung der eigentlich sogenannten si,

Lehrgedichte aber kündigt in der Regel schon den Verfall der Poe- sä

sie eines Volks, oder das Schwanken zwischen Poesie und Refle- da

xion an, wobei man oft glaubt, das Unpoctische und Allgemeine sä

durch zufälligen Schmuck zu dem Schönen erheben zu können. w

Das Eitle dieses Bestrebens zeigen die vorzüglichsten didaktischen g«

Gedichte aller Zeiten, namentlich die eigentlich sogenannten Lchrge- ei

dichte, .,welche uns, nach I. Pauls Ausdrucke, ihren zerhackten Ge- T

genstand Glied für Glied, obwol jedes in einige poetische Goldflit-tern eingewickelt, zu zählen," z. B. daß Lucrez poet. Darstellung a>

des epikurische» Systems in dem Gedichte äe rerun, nstur», und li