6zs Leibgeding Leibnitz
einer Gegend aufhält, in welcher die Luft eigen macht; durch >Strafe wegen Verbrechen und endlich auch durch Verjährung vonZr> Jahren. Das Ende erreicht die Leibeigenschaft durch allgemein!Landesaufhebungs-Gesetze, welche seit 1096 durch dieKreuzzüge veranlaßt wurden, indem man einen jeden Leibeigenen,der den Kreuzzug mitmachte, für frei erklärte; durch ausdrücklicheoder stillschweigende Freilassung; durch richterliches Er-kenntniß wegen grober Excesse des Leibherrn in solchen Staaten,wo der Leibeigene als Mitglied des Staats angesehen wird; undendlich auch durch Verjährung von 3 o Jahren. Da nun übrigensdie Leibeigenschaft weder mit den unveränderlichen Grundsätzen desNaturrechts sich vereinigen läßt, noch dem Begriffe von einer «er- -nünftigen bürgerlichen Freiheit angemessen, vielmehr dem Staats-wohl nachtheilig ist; so sollten alle Staatsregierungen nach vorhergetroffenen zweckmäßigen Anstalten dieselbe gänzlich aufheben, X.
Leibgeding (Leibgu't, Leibzucht, Witthum, äom-litiuin, äouuirs) ist nach deutschen Rechten das einer adeligenWittwe zustehende Recht, nach ihres Mannes Tode aus dessen Lehn-gütcrn die vierfachen Zinsen ihrer eingebrachten Mitgift zu genießen.Lft wird auch der Wittwe ein Grundstück zum Leibgcdinge angewie-sen, wovon sie den Nießbrauch hat.
Leibnitz (Gottfried Wilhelm, Freiherr von). Hat je die Na-tur in einen einzigen Menschen viele und große Talente vereiniget,so war es in diesen gelehrten, berühmten, merkwürdigen Mann,welcher sowol wegen des Umfangs seiner Kenntnisse, als wegen derTiefe seines Verstandes, und Größe des Genies, als wegen desrastlosen Eifers, womit er die Aufnahme der Wissenschaft und die -Verbreitung einer vernünftigen Denkungsart beförderte, nicht allein ,die Zierde des Hofs des Fürsten war, der ihn besaß und um ihn benei-det wurde, sondern auch noch der Stolz der Nation ist, aus welcher >er hervorgieng. Sachsen, das Vaterland so vieler gelehrter und lberühmter Männer, nennt auch ihn den seinigen. Er war ge- lboren den 4, July 1646 zu Leipzig, wo sein Vater ein Pro- sseffor der Philosophie war, den er aber schon im 6ten Jahre ver- >lor. Schon als Kind zeigte er außerordentliche Fähigkeiten, welche !er durch anhaltenden Fleiß, unterstützt von der väterlichen, vorzüg- 'lich an Elaffikcrn reichen Bibliothek, deren er sich nach Gefallenbedienen konnte, vortrefflich entwickelte. Sich selbst überlassen, laser hier, nach seinem eigenen Geständnisse, jedes Buch, wie es ihmvorkam, und wenn er es auch nicht verstand, so wurde er durchdie Neuheit der Sachen zum Nachdenken gereizt. Bis ins rZte Jahrbesuchte er die Ricolaischule zu Leipzig, und dann im 1 .i66r wohn-te er akademischen Vorlesungen daselbst bei, unter welchen ihn vor-züglich die mathematischen anzogen. Im folgenden Jahre begab sichLeibnitz nach Jena, wo er hauptsächlich den damals sehr berühmtenMathematiker Ehrhardt Weigel, (dessen Andenken überdieß auchsein kunstreiches Haus in Jena noch erhält), fleißig hörte und vonihm viel lernte. Nach seiner Rückkehr nach Leipzig, wo er Bacca-laureus der Philosophie und Magister wurde, studirte er die grie-chischen Philosophen mit solchen Eifer, daß er sich oft ganze Tagein einen nahen Wald verbarg, ohne etwas zu genießen. 1666 dis-putirte er, wie man es nennt, xro loco, d. i. um in der Folgeeine philosophische Professur zu erhalten, über eine mathematischeAbhandlung (äs conixlexionibus), aus welcher sein Genie und tief-