Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Leibnitz 6zz

denkender Geist zuerst hervorleuchtete. In demselben Jahre meldeteer sich auch zum Doctorat. Als er aber deshalb die gewöhnlichenBesuche machte und zum Dccan der Juristenfacultät kam, wardieser nicht zu Hause; dafür aber ward er von der Frau De-canin mit ebenderselben Amtsmiene empfangen und ihm erklärt,daß er zum Doctor zu jung und unfähig sey. (Vielleicht hatteHr. Leibnitz die Hand nicht geküßt, oder die Herren Weiber hat-ten, wie heut zu Lage, vorher in der Theegesellschaft berathschlagt,ob er zum Doctor fähig sey oder nicht.) Mit diesem lächerlichenRepulse gieng er nach Altdorf und wurde mit vielen Ehren Doctor.Weil ihn nun alles Reue intereffirte so zog ihn der Ruf von ei-ner alchymistischen Gesellschaft nach Nürnberg. Ein mit alchymi-stischen Ausdrücken, die er selbst nicht verstand, angefüllter Auf-satz erwarb ihm den Eintritt in dieselbe, ja es wurde ihm sogardas Protocoll zu führen übertragen. Die Gesellschaft glaubte'vonihm in der Kunst zu lernen, er lernte aber von ihr. Unterdessen wurdeer hier mit dem Baron von Boinaburg, Minister des Kurfürstenvon Mainz, bekannt, und als dieser die außerordentlichen Kenntnissedes jungen Gelehrten wahrgenommen hatte, bewirkte er, daß L.als kurfürstl. Rath nach Mainz gerufen und zum Beisitzer der Justiz-kanzelei ernannt wurde. Glück und Freundschaft eröffneten ihm nunerst die Wege des Ruhms. Herr von Boinaburg sandte ihn nebstseinem Sohne 167a in Geldangelegenheiten nach Paris, wo ihmbald vieler Männer von Verdienst und Ruhm, als la Hire, Eaffini,Huygens, Malebranche und mehrerer Belehrung, Freundschaft undBewunderung zu Theil wurde. Vortheilhafte Anerbieten wteß dieLiebe zu seinem Vaterlande und zu seiner Religion zurück. Aberrk?? verlor er durch den Tod sowöl den Herrn von Boinaburg, alsauch den Kurfürsten von Mainz Johann Philipp von SchLnborn.Jedoch auch dieser Fall diente dazu Leibnitzens Ruhm weiter zubegründen. Er reiset« nach England, wo er mit Wallis, mit Boyle,mit Ordenburg in Verbindung und sogar mit Newton, dessen Na-men der ganze gebildete Erdkreis mit Verehrung nennt, in Brief-wechsel kam. Nach vier Jahren kehrte L. mit- einem beneidenswer-then Schatze von Kenntnissen und Beobachtungen in sein Vaterlandzurück, wohin er von dem Herzoge von Braunschweig-Lüncburg alsHofrath berufen worden war. 1676 kam er in Hannover an, wodie Einrichtung der Bibliothek sein Hauptgeschäfft war. Den übri-gen Theil der Aeit wendete er auf mathematische, mechanische undandere Erfindungen. In der Mathematik, der Wissenschaft, dienur dem tiefen, dem denkenden Geiste ihre Geheimnisse eröffnet,zeigte sich sein Scharfsinn und sein Talent zur Erfindung. Hier er-öffnete er ein neues Gebiet, in welchem das, was bisher unmöglichschien, möglich und leicht gemacht wurde. Es war die Erfindungder Differenzialrechnung. Schon war Newton früher aufdiese geksmmen, hatte sie aber noch nicht öffentlich mitgetheilt, alsLeibnitz ihm zuvorkam und im October 1684 durch den Druck be-kannt machte. Auch die Verbesserung der Wagen und Kutschen,der Maschinen in den Erzgruben, der Wettergläser, insbesondereaber eine Rechenmaschine (s. d. Art.) beschäfftigte seinen Geist aui-erseinen Arbeiten im Gebiete der Mataphysik, in welcher er di. < .n-kelsten Lehren aufzuhellen sich bemühte. Vorzüglich suchr. dieFrage zu heantworten: ,,wenn die Welt das Werk eines aügüt:>»en