Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
634
JPEG-Download
 

HZ 4 Leibmtz

und allwcisen Schöpfers ist, woher kommen die Unvollkommenhoitwund das Elend seiner Geschöpfe?" eine Frage, welche die Weis«, .aller Zeitalter b-schäfftigt hat Bayle hatte mit hinreißender Be> >redtsamkeit die Unmöglichkeit einer befriedigenden Beantwortung zubeweisen versucht; Leibnitz setzte daher ihm seine Gründe entgeg»in seinem bekannten Werke: die Theodicec, welches nach Fon-tenclls's Urtheile allein hinreicht: ,,stch von dem Genie seines gro-ßen Verfassers eine Idee zu machen." Welche Gegenwart des Gej- 1stes L- auch in bürgerlichen Verhältnissen besaß, kann folgendeAnecdote schon zum Beweise dienen. Der Herzog von Braunschweighatte ihm aufgetragen, big Geschichte seines Hauses zu schreiben.Um sich die dazu gehörigen Documentc zu verschaffen that er lA?«ine Reise nach Wien und von der nach Italien , weil die alteilMarkgrafen von Loscanaz Ligurien und Este mit dem Hause Braun-schweig einerlei Ursprung gehabt haben. Bon Venedig nach Messt»im Ferrarischen schiffte er ganz allein. Es erhob sich ein heftigerSturm, so daß das Schiff in Gefahr war. Der Steuermann kamauf den Wahn, Leibnitz sey der Grund des lingcwitters, weil er«in Ketzer sey, auf den die Gottheit zürne. Er besprach sich mitseinen Gefährten, und sie sämmtlich beschlossen ihn ins Wasser zuwerfen. L. aber, welcher ihre Sprache verstand, zog in dieser Ge.fahr einen Rosenkranz, den er bei sich hatte, hervor, und drehteanit andächtiger Miene ein xater noster nach dem andern ab, wo-durch jene von ihrer Meinung zurückkamen. i6gc> hatte L. dieseMeise vollendet und kam nach Hannover zurück. War schon vorhersein Einfluß auf wissenschaftliche und politische Angelegenheiten vouBedeutung gewesen, so war er es von nun an noch vielmehr. Eigelang ihm im I. 170», daß die Akademie der Wissenschaften ixWerkn gestiftet und er selbst zum Präsidenten ernannt wurde. Das-selbe suchte er auch in Dresden zu bewirken, allein der Krieg, wel-cher Sachsen damals drückte, hinderte es. Fruchtbarer war seineUnterredung mit dem Czaar zu Torgau 1711 über die Verbreitungder Künste und Wissenschaften in Rußland. Der Monarch machteihn zum geh. Justizrath mit i«>oo Rubeln Pension, und bald darauswurde er mit Lvoo Gulden Gehalt von Kaiser Carl VI. zum Reichs-hofrath und Baron ernannt. Er befand sich bis 1614 in Wien,und bemühte sich um eine neue Akademie der Wissenschaften daselbst,bis nach dem Tode der Königin Anna von England der Kurfürstvon Hannover zum Könige erwählt wurde. Unterdessen entspannsich ein heftiger Streit zwischen den Verehrern Leibnitzens undNewtons. Letztere wollten L. die Erfindung der Differenzialrcch-rmng absprechen und beschuldigten ihn, er habe sich Newtons Er-findung schlauer Weise angemaßt. Es war nicht schwer ihn vonsolchem Verdachte zu reinigen und die Akademie zu Göttingen hatspäter diese Streitfrage einer Untersuchung unterworfen und dieSache dahin entschieden, daß beide Männer bei dem damaligen Zu-stande der Wissenschaft, auf diese Erfindung gekommen seyn können.Wit vielen Gelehrten hatte L. Streitigkeiten anderer Art, haupt-sächlich metaphysische Gegenstände betreffend. Einer seiner wichtig-sten Pläne für die Wissenschaft und Cultur des ganzen Menschen-geschlechts war die Erfindung einer allgemeinen Charakteristik undphilosophischen Universalsprache, an welcher er sein ganzes Lebenhindurch gearbeitet hat. Es würde nicht allein die glänzendste, son-