654 Leipzig
Bald kam Wallcnstein selbst mit dem wiebergeordneten Fußvolk zu-rück , eroberte die genommenen Kanonen und trieb die Schwedenwild vor sich her bis an des Grabens Rand. Allein in eben die-sem Augenblicke war es auch den schwedischen Schwadronen gelun-gen, über die Graben zu setzen; sie stürzen auf Wallensteins Rei-ter, werfen die vordersten auf die hintersten zurück, verbreitenSchrecken und Verwirrung über den ganzen linken Flügel des kai-serl. Heers, erobern die Geschütze wieder und der Sieg scheinthier für die Schweden entschieden. — Doch weniger günstig stan-den die Sachen auf dem linken schwedischen Flügel, welcher vonder großen kaiserl- Batterie auf dem Windmühlenberge so heftigbeschossen wurde, daß er zu wanken und in Unordnung zu weichenbegann. Dieß ersehend, übergiebt Gustav die Führung seines rech-ten siegenden Flügels dem Feldmarschall Kniphausen und befiehltihm, rasch den weichenden Feind zu verfolgen; er selbst eilt ander Spitze des smaländischen Regiments den Bedrängten zu Hülfe.Der König verschwindet ünd schon hat Herzog Bernhard auf demrechten Flügel eine so geschickte Schwenkung gemacht, daß er miteinigen Regimentern seinem Gegner Gallas in die Flanke fallenkann, wodurch dort, da im wilden Grimme kein Theil weichenwill, ein gräßliches Gemetzel entsteht. Wehe! da rennt wiehernddes Königs Roß ohne seinen edlen Reiter durch die Reihen derSchweden, der Sattel ick mit Blut bedeckt, in den Halftern steckennoch die abgeschossenen Pistolen. Bernhard ahnet das entsetzlicheUnglück und sendet stracks 100 Reiter aus, den König zu suchen,indessen verkündet er laut die Nachricht von dessen Gefangenschaft.Nun werden die Schweden wie wüthende Löwen, sie stürzen Allesvor sich nieder, erobern die feindliche Batterie bei den Windmüh-len, drehen das Geschütz gegen den Feind und treiben ihn hier vorsich her, während das zweite schwedische Treffen die inS Gebäckgefallenen Kroaten wüthend vor sich her jagt, und Kniphausendann mit den frischen Regimentern: Weimar, Bulacher und Gold-stein, gleichfalls über die Graben zur Verfolgung der Flüchtigensetzt. — Der Sieg ist entschieden, aber siehe! da erscheint Pappen-heim mit 8 frischen Reiter-Regimentern von Halle her auf demKampfplätze, und eine neue Schlacht beginnt. Pappenyeim sprengtein aus die tapfern Gelbröcke, stürmt sie nieder und nimmt daSzum zweitenmale eroberte Geschütz; dann treibt er die Zerspreng-ten über den Graben und ist daran sie zu umzingeln, als Knip-hauseus zweites Treffen ihm entgegen kommt. Auch darauf willer los, aber eine Falkonetkugel trifft seine Hüfte, geendet ist dieSiegesbahn; ein Trompeter ergreift des Rosses Zügel und führtden widerstrebenden Feldherrn im raschen Lauf aus dem Getümmel-Nun wollen die entmutheten Reiter nicht mehr vorwärts, sie ge-rathen in Unordnung und werden nur durch den dichten einfallen-den Abendnebcl vom gänzlichen Untergänge geeettet. Piccvlominibenutzt den glücklichen Zufall, ordnet sie noch einmal und haut ausdie Blauen ein; diese erfahren das Schicksal der Gelben, aber ihrWiderstand ist fürchterlich. Piccolomini selbst erhalt 6 Schüsse,sein Oberstlieutenant, sein Major und alle seine Rittmeister wer-den verwundet, die Reiter müssen zurück; denn eben als der Abendschon dunkelt, wagt Herzog Bernhard noch einen Angriff, dringtüver den Graben, erobert zum drittenmale die Batterie und jagtdie Kaiserlichen in wilder Flucht vor sich her. Wallenstein flucht,