Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Leopold I. 67Z

schäfftigten die Angelegenheiten Ungarns des Kaisers ganze Sorg-falt: die Magnaten dieses Landes wollten nicht allein ihre Privile-gien behaupten, sondern strebten sogar danach, sich ganz frettvonder österreichischen Oberherrschaft zu machen und einen König ausihrer Nation zu erwählen. Diese Unternehmung kostete Serin,Frangipani, Radasti und vielen andern Ungarn das Leben. Nunstellte sich Tckeli an die Spitze der unzufriedenen Ungarn und wardvon den Türken für einen jährlichen Tribut von 40,000 Zccchinenl zum König von Ungarn erwählt. Tckeli rief nun die Türken in dasdeutsche Reich; diese fielen mit einer Armee von 200,000 Mann überOesterreich her, eroberten die Insel Gchurl und belagerten Wien1K8R Eben, als sich die Stadt ergeben wollte, eilte ihr JohannLobieski zu Hülfe: die Türken wurden in ihren Verschanzungenangegriffen und gänzlich geschlagen. Ein panischer Schrecken hattesich des Großvezicrs Mustapha bemächtigt; er floh und überließ seinLager dem Sieger. Nach dieser Niederlage verloren die Türken eineSchlacht nach der andern und die Kaiserlichen eroberten alle vonden Türken genommenen Städte wieder. Nun ließ Leopold die un-garischen Aufrührer, welche er für die Ursache der Leiden hielt,welche Deutschland bedroht hatten, mit Strenge bestrafen. Auföffentlichem Markte ward ein Blustgerüst errichtet, auf welchemman >687 diejenigen Rebellen hinrichtete, deren Tob der Begrün-dung des Friedens am nothwendigsten schien. Das Blutbad warschrecklich und dauerte eine lange Zeit: es endigte damit, daß dieMagnaten Ungarns im Namen der Nation die Krone ihres Vater,landes für erblich erklären muhten. Nun hatte Leopold andereKriege zu führen. Er, der nur aus seinem Kabinette Krieg führte,hörte nicht auf, Ludwig XIV. zu bekriegen. Zuerst geschah dieß im3 . 1671, gleich nach der Invasion Hollands, welches Leopold gegenFrankreich unterstützte; dann 1686 einige Jahre nach dem Friedenvon Nymwegen, als er jenen berüchtigten augSburgischen Vertragabschloß, der zum Zwecke hatte, Frankreich zu demüthigen und Ja-cob II. vom englischen Throne zu stoßen; endlich im Jahre 1701,als der Enkel Ludwigs XIV. die spanische Krone empfing. Es gelangLeopolden in allen diesen Kriegen, die Fürsten Deutschlands in seinInteresse zu ziehen und diese Kriege zu Reichskriegen erklären zulassen. Jener erste Krieg fiel unglücklich für Leopold aus, und erward genöthigt, sich 1678 im Frieden von Nymwegen Gesetze vor-schreiben zu lassen. In diesem Kriege düeb das Innere Deutschlandsziemlich verschont; dagegen aber wurden die Grenzen desselben nachbcm Ryeine zu sehr verwüstet. Weniger ungünstig fiel der zweite Kriegfür Leopold aus, welcher eine Folge jenes Vertrags von Augsburgwar, und der dritte Krieg fiel noch glücklicher für Leopold aus: dieberühmte Schlacht von Hochstädt entschied für den Sieg der deutschenWaffen. Leopold starb im folgenden Jahre am 5 . Mai 1705, mit-ten unter ocn glücklichsten Ereignissen. Was Leopolden in allen die-sen Kriegen zum Glück« gereichte, war die Größe Ludwigs XIV.,welche, da sie mit zu vielem Hochmuths auftrat, die Eigenliebe al-ler Fürsten aufregte und sie gegen ihn erbitterte. Der deutsche Kai-ser, der sich mäßiger und bescheidener benahm, wurde freilich weni-ger gefürchtet, aber auch mehr geliebt. Leopold, der in seinerKindheit zum geistlichen Stande bestimmt gewesen und also auf eineentsprechende Weise erzogen worden war, hatte Frömmigkeitund Wissen, aber keine Kunst zu regieren, gelernt. Dieß verstanden