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seines Lebens. Auch von dieser ist von ihm nichts ausgear-beitet worden. In den letzten Jahre» seines Lebens ward diesereroße Mannwahrscheinlich durch die immer mehr zunehmendeEntstellung seines Körpers, im eigentlichen Verstände fast men-ichenfcheu, so, daß er nicht nur ost jahrelang sein Zimmer nicht»erließ, sondern auch niemanden, außer höchstens ein paar sehrmtraute Freunde bei sich sehen wollte. Sehr merkwürdig ist-ine Stelle aus einem seiner Briefe vom I. 2799, weil sie eine, rollendste Prophezeihung der neuesten Zeit enthalten hat: ,,DieFranzosen haben bei ihren Unternehmungen nur Einen Gesichts»Punct, in welchem sie alle zusammenlaufen, und dieses ist derElurz von England. Au dieser Absicht schlagen sie eine! karg von Republiken um dieses glückliche Land, nicht um es mit, freien Staaten, sondern um es mit sich frei dünkenden, aber ei-l «gütlich von Frankreich abhängigen einzuschließen. Au diesem Be-iazerungs - Cordon ist ihnen Hamburg und Bremen unentbehrlich,
> und aus dieses soll jetzt ihr Auge gerichtet seyn." Dieß war übri-gens der letzte Brief, den Lichtenberg schrieb. Denn gleich amLage »ach dessen Absenkung befiel ihn eine Brustentzündung mitI Seitenstechen nnd Blutauswurf, welcher Aufall so heftig wurde,daß keine Mittel dagegen helfen wollten. Er starb an den Fol-ge« derselben im 57sten Jahre seines Lebens am 24. Febr. 1799-Wir schließen mit einigen allgemeinen Betrachtungen über Lich-lenbergs Charakter als Mensch und als Schriftsteller. Er warein ausgezeichneter, ein origineller Kopf, dem kein Gegenstand derWissenschaft, diese in dem allgemeinsten Sinne genommen, fremd»nd ohne Interesse war. So wußte er sich eben so leicht in dieEeelc eines Atheisten, als eines Wundergläubigen zu versetzen;ja, eine gewisse Hinneigung zum Uebcrsinnlichcn, von dem wirsehr viele Beweise in seinem Leben finden, und dem er besondersin seiner frühern Zeit gänzlich ergeben war, wich nur mit Mühedem Skepticismus seines äbstraelen Verstandes, dem er offenbarerst durch die von Friedrich 1 t. in Deutschland eingeführte kalteBernünftelei gehuldigt zu haben scheint. Streng wissenschaftlicherGeist und poetischer Sinn waren daher auf eine seltsame Weis«>» Lichtenberg verschmolzen, und gaben eine überraschende Ertchei»»ung. Das Höhere im Menschen, der Glaube «n das Göttliche,der in keiner Seele ganz zu vertilgen ist, rächte sich daher beiLichtenberg dafür, daß er in der Stunde der Speculation gewalt-sam von ihm war verdrängt worden. Daher sein Achten auf Ah-nungen, Träume und Vorbedeutungen, worin alle tiefkühlende«poetischen Menschen mit ihm einerlei Meinung haben, nur daß siesich scheuen, dieß so zu sagen, oder wieder zu schreiben, wie er,nnd welche Hinneigung zum Ueberstnnlichcn überhaupt mir jenerE»cht, alles erklären zu wollen, in dem absolutesten Widerspruchsteht. So ist Lichrenberg, wie er sich in den merkwürdigen frag-mentarischen Betrachtungen uns ssarstekt, ein Bild des Menschen imMgemeinen, nämlich eine räthselhafte Zusammensetzung eines Ge-danken und Gefühls; eben so skeptisch oder gläubig, wie dieses, jeNachdem er mehr der Speculation offen ist, oder der Empfindung.Uebrigens war er, und dieß nicht etwa durch Kunst, sondern imGefolge seiner ursprünglichen Individualität, einer unserer wenr-Nlgen Humoristen, und besaß jenes gehcimnißvolle, bezauberndeGennsH von lachendem Witz, treffender Satyre und tiefem Gefühle,